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D 20 720 E 




r 



März 1981 107. Jahrgang Nummer 3 











Veröffentlichung 

der Kirche Jesu Christi der 

Heiligen der Letzten Tage 



März 1981 
107. Jahrgang 
Nummer 3 



Erste Präsidentschaft: Spencer W. Kimball, N. Eldon Tanner, Marion G. Romney. 
Der Rat der Zwölf: Ezra Taft Benson, Mark E. Petersen, LeGrand Richards, Howard W. Hunter, 
Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, Boyd K. Packer, Marvin J. Ashton, Bruce R. McConkie, 
L. Tom Perry, David B. Haight, James E. Faust. 

Berater: M. Russell Ballard, Rex D. Pinegar, Charles A. Didier, George P. Lee. 

Internationale Redaktion: M. Russell Ballard, Larry A. Hiller, Carol D. Larsen, Connie Wilcox, 
Roger Gylling. 

Der Stern: Übersetzungsabteilung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 
Im Rosengarten 25b, D-6368 Bad Vilbel, Telefon 06193/64017 und 64018. 

Nachrichtenredaktion: Holger G Nickel, Im Rosengarten 25 b, D-6368 Bad Vilbel, 
Telefon 06193/64056. 



INHALT 

Gottes Kinder unterrichten. N. Eldon Tanner 1 

„Er wird dir ein ständiger Begleiter sein." Was für Segnungen des Heiligen 

Geistes sind einem verheißen? Spencer J. Condie 5 

Ich habe eine Frage. Larry Hiller 10 

Der Segen kam zurück. Hans- Wilhelm Kelling 13 

Gedanken, die man sich durch den Kopf gehen lassen sollte. Hugh W. Pinnock 15 

Das lieben, was Gott liebt. Dennis R. Peterson 16 

Ein gewonnener Kampf. Constance Polve 21 

Schaffst du die Abschlußprüfung? Dean L. Larsen 25 

Seien Sie ein Missionar. LeGrand Richards 28 

Der Zehnte - — er funktioniert. Keith Moore 36 

FÜR KINDER 

Der Kaktus, das Kreuz und Ostern. Jeffrey R. Holland 1 

Das Abendmahlsgebet. Susan Piele 4 

John Taylor (1808- 1887) 7 

Das macht Spaß. Beverly Johnston 8 



Jahresabonnement : 

DM 21,60 an Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 

Postscheckkonto Frankfurt 251583-603. 

sFr. 22,80 an Citibank, Genf, Konto-Nr. 0/312750/007 Kirche Jesu Christi der Heiligen der 

Letzten Tage in der Schweiz. 

ÖS 144,— an Erste Österreichische Spar-Casse, Wien, Konto-Nr. 000-81 388, 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. 

USA und Kanada (nicht mit Luftpost): $ 10.00. 

© 1981 by the Corporation of the President of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints. 
All rights reserved. 

Verlag Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Porthstraße 5-7, 
D-6000 Frankfurt am Main 50. 



Printed in the Federal Republic of Germany 



PBMA0551 GE 



Umschlagseite: Fotos von Don Marshall 



( Botschaft von der Ersten Präsidentschaft ) 

Was ich zu sagen habe, richtet sich an übernehmen werden, und an alle, die ih- 

alle, die gegenwärtig in der Kirche eine ren Führern folgen wollen. 

Führungsposition innehaben oder ir- Als Mitglied der Kirche muß ein jeder 

gendwann einmal eine solche Position von uns erkennen, daß er selbst mit dafür 

Gottes Kinder 
unterrichten 



N. Eldon Tanner 

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 




NHBMB& 





N. Eldon Tanner 



verantwortlich ist, das Reich Gottes, also 
seine Kirche auf der Erde, vorwärtszu- 
bringen. Dabei sind einige grundlegende 
Punkte zu beachten, wenn man seiner 
Verantwortung auf die rechte Weise 
nachkommen will. 

Zunächst einmal muß man erkennen, 
daß wir alle Gottes Geistkinder sind; und 
wer wir sind und warum wir hier sind, läßt 
sich meiner Meinung nach am besten mit 
dem bekannten Lied „Ich bin ein Kind des 
Herrn" sagen: 

Ich bin ein Kind des Herrn, 
Der mich zur Welt geschickt 
Und dort mit einem ird 'sehen Heim 
Und Eltern mich beglückt. 

Ich bin ein Kind des Herrn 
Und hab' ein hohes Ziel. 
Bevor verronnen ist die Zeit, 
Muß ich noch lernen viel. 

Ich bin ein Kind des Herrn. 

Viel Segen wartet mein. 

Wenn ich nur immer folgsam bin, 

Geh' ich zum Himmel ein. 

Führ mich, leit mich und begleit mich 

Durch die Prüfungszeit. 

Lehr mich alles, was ich brauch', 

Zur ew'gen Seligkeit. 

(Sing mit mir, B-76). 



Es ist wunderbar, daß man aktiv Mit- 
glied in der Kirche Jesu Christi der Heili- 
gen der Letzten Tage sein darf, die einem 
Propheten untersteht, mit der Erkenntnis, 
man tut das, was der Vater im Himmel 
will. Ich weiß und bezeuge: Präsident 
Spencer W. Kimball ist ein Prophet Gottes 
und vertritt heute auf der Erde die Be- 
lange seiner Kirche. 

Meiner Meinung nach kann man zu 
nichts Bedeutenderem berufen werden als 
dazu, Lehrer in der Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage zu sein. Und ir- 
gendwie sind wir alle Lehrer, ob wir dazu 
berufen und eingesetzt sind oder nicht. 
Der Erretter selbst gilt als der bedeutend- 
ste aller Lehrer. Bemühen wir uns doch, in 
jeder Hinsicht ihm und seinem Beispiel 
nachzueifern. 

Es ergreift mich immer, wenn ich daran 
denke, wie er die Menschen auf dem ame- 
rikanischen Kontinent besucht hat. Die 
Geschichte, weitere Begebenheiten aus 
seinem Leben und seine Gleichnisse ver- 
mitteln einem dies wohl am besten: Jesus 
Christus lebt wirklich, er ist an einem in- 
teressiert und liebt einen, und er möchte, 
daß man das Rechte tut, damit man glück- 
lich sein kann. 

Gewiß kann man Kindern — und in den 
Augen des Vaters im Himmel sind wir 
doch alle Kinder — kaum nachdrücklicher 
bewußt machen, wie sehr Jesus Christus 
sie liebt und an ihnen interessiert ist, als 
wenn man liest, was die Schrift über seinen 
Besuch in Amerika berichtet. 

„Dann gebot er ihnen, ihre kleinen 
Kinder zu bringen. 

Und sie brachten ihre kleinen Kinder 
und setzten sie rund um ihn auf die Erde, 
und Jesus stand in ihrer Mitte; und die 
Menge machte Platz, bis alle Kinder zu 
ihm gebracht worden waren. 

Und nachdem man alle zu Jesus ge- 



2 



bracht hatte und er in ihrer Mitte stand, 
gebot er der Menge, sich auf die Erde zu 
knien. 

Und als sich alle zur Erde niedergekniet 
hatten, seufzte Jesus innerlich und sprach: 
Vater, ich bin wegen der Bosheit des Vol- 
kes vom Hause Israel betrübt. 

Und nachdem er dies gesagt hatte, ließ 
auch er sich auf die Knie nieder, und siehe, 
er betete zum Vater, und was er betete, 
kann nicht geschrieben werden, und das 
Volk, das ihn hörte, bezeugte es. 

Und sie gaben Zeugnis: So große und 
wunderbare Dinge, wie wir sie sahen und 
Jesus zum Vater reden hörten, hat kein 
Auge je gesehen und kein Ohr je gehört. 

Und keine Zunge kann sie aussprechen, 
und kein Mensch kann sie schreiben, auch 



kann das Menschenherz so große und 
wunderbare Dinge nicht begreifen, wie 
wir sie sahen und Jesus reden hörten; und 
niemand kann die Freude erfassen, die un- 
sere Seele zu der Zeit erfüllte, als wir ihn 
für uns zum Vater beten hörten. 

Als Jesus aufgehört hatte, zum Vater zu 
beten, erhob er sich; aber die Freude der 
Menge war so groß, daß sie überwältigt 
wurde. 

Und Jesus redete zu ihnen und forderte 
sie auf, sich zu erheben. 

Sie erhoben sich von der Erde, und er 
sagte zu ihnen: Gesegnet seid ihr wegen 
eures Glaubens. Seht, nun ist meine 
Freude voll. 

Und als er diese Worte gesagt hatte, 
weinte er, und die Menge bezeugte es, und 




er nahm ihre kleinen Kinder, eines nach 
dem andern, und segnete sie und betete 
für sie zum Vater. 

Und nachdem er das getan hatte, weinte 
er wieder; 

und er redete zur Volksmenge und sag- 
te: Seht eure Kleinen! 

Als sie hinblickten und schauten, rich- 
teten sie ihre Augen gen Himmel und sa- 
hen den Himmel offen und Engel hernie- 
dersteigen wie mitten im Feuer, und sie 
stiegen hernieder und umringten jene 
Kleinen, die von Feuer umgeben waren; 
und die Engel dienten ihnen" (3. Nephi 
17:11-24). 

Kann man sich überhaupt etwas Liebe- 
res vorstellen? Diese Begebenheit lehrt 
uns: Der Vater im Himmel liebt uns, und 
Engel wachen über uns. Auch erfahren 
wir, wir können zu einem liebenden Vater 
im Himmel beten, und er erhört uns. Mit 
am wirkungsvollsten kann man Denken 
und Leben seiner Kinder beeinflussen, in- 
dem man ihnen stets gute Gedanken in 
Form von schönen Erzählungen und Bil- 
dern und von Idealen vermittelt. 

Wir haben es als Mitglieder der Kirche 
so gut — wir erkennen und können ohne 
jeden Zweifel Zeugnis davon geben: Gott 
lebt, Jesus ist der Messias, und sie sind per- 
sönlich an uns interessiert, und wir haben 
das wahre und immerwährende Evange- 
lium. Leben wir doch jeden Tag so, daß die 
anderen erkennen: Wir haben dieses 
Zeugnis, wir zweifeln nicht; wir lieben den 
Herrn, unseren Gott, von ganzem Herzen, 
mit aller Macht, mit allem Sinn und aller 
Kraft; und wir sind bereit, ihm in allem zu 
dienen. Er hat selbst gesagt: 

„Wenn ihr meine Gebote haltet, so 
bleibet ihr in meiner Liebe, gleich wie ich 
meines Vaters Gebote halte und bleibe in 
seiner Liebe" (Johannes 15:10). 

Ich habe in meinem eigenen Leben so 



manches Mal festgestellt, wie wahr die 
Ermahnung und Verheißung ist, die der 
Erretter folgendermaßen ausspricht: 

„Trachtet am ersten nach dem Reich 
Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so 
wird euch solches alles zufallen" (Mat- 
thäus 6:33). 

Man läßt sich heute so leicht dazu brin- 
gen, daß man sich mehr für weltliche An- 
gelegenheiten und weltliche Freuden in- 
teressiert, als daß man gewissenhaft zuerst 
nach dem Reich Gottes und nach seiner 
Gerechtigkeit trachten würde. Deshalb 
muß man stets auf der Hut sein und daran 
denken, daß man durch sein eigenes Bei- 
spiel wirksamer unterrichtet als durch 
Vorschriften. Vergessen wir nie den alten 
Grundsatz: „Was du tust, spricht so laut, 
daß ich nicht hören kann, was du sagst." 

Wir würden in einer großartigen Welt 
leben, wenn die Führer in jeder Organisa- 
tion so leben würden, daß sie mit Recht 
wie der Erretter sagen könnten: „Komm, 
folge mir nach", und dabei wüßten, daß 
die Kinder des Vaters auf wahren und 
rechtschaffenen Wegen geführt werden. 

Ich bin noch immer tief berührt von 
dem folgenden Vers, den ich schon vor 
vielen Jahren gelernt habe: 

Ich bin das Kind, 

Du hältst mein Schicksal in der Hand. 

Du bestimmst in hohem Maß, ob ich er- 
folgreich sein oder versagen werde. 

Ich bitte dich: Lehre mich das, was mich 
glücklich macht. 

Ich flehe dich an: Bilde mich so, daß ich 
der Welt ein Segen sein kann. 

Wenn wir so leben und so unterrichten 
können, daß wir durch unser Wort und 
Beispiel anderen helfen können, die Welt 
lebenswerter zu machen, dann erfüllen wir 
schon einen Teil unserer Verpflichtung 
gegenüber dem Vater im Himmel. Mögen 
wir uns alle entschließen, das zu tun. 



„Er wird dir ein 
ständiger Begleiter sein 

Was für Segnungen des Heiligen Geistes 
sind einem verheißen? 

Spencer J. Condie 



MM 



Der Erretter hat, als sein irdischer 
Dienst sich dem Ende zuneigte, seine 
Apostel allmählich darauf vorbereitet, 
daß er sie bald verlassen mußte. Er hat ih- 
nen aber versichert: „Und ich will den Va- 
ter bitten, und er wird euch einen anderen 



Tröster geben, daß er bei euch sei ewig- 
lich" (Johannes 14:16). 

„Wenn ich nicht hingehe, so kommt der 
Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, 
will ich ihn zu euch senden" (Johannes 
16:7). 




■5 



Der Herr hat damals zwar zu den 
Aposteln der Urkirche gesprochen, doch 
erstreckt sich seine Verheißung auf jedes 
Mitglied der Kirche. Wenn man würdig ist, 
kann der Heilige Geist bei Eltern und 
Kindern, bei Heimlehrern und Besuchs- 
lehrerinnen genauso bleiben wie bei 
Aposteln und Propheten. 

In den ergreifenden Ausführungen 
über den Tröster, die der Lieblingsjünger 
Johannes so ausdrucksvoll festgehalten 
hat, erklärt der Herr eingehend, wie der 
Heilige Geist unser tägliches Leben beein- 
flussen kann. Die folgenden wahren Be- 
gebenheiten schildern diesen Einfluß. 

„Ich will euch nicht als Waisen zurücklas- 
sen" (Johannes 14:18). 

Schwermut lag auf der Trauergemein- 
de. Der Gottesdienst für die junge Mutter, 
die im Kindbett gestorben war, ging zu 
Ende. Die Reden waren sehr feierlich ge- 
wesen, doch viele Anwesende empfanden 
an diesem Tag eine gewisse Bitterkeit. 
Wie konnte ein liebender Vater im Him- 
mel zulassen, daß eine junge Mutter so 
hinweggenommen wurde und vier kleine 
Kinder zurücklassen mußte, für die der 
kummerbeladene Vater jetzt allein sorgen 
mußte? 

Als der offizielle Teil vorbei war, erhob 
sich der junge Vater ganz ruhig und trat an 
das Sprechpult. ,,Ich spüre euren Kummer 
und eure Anteilnahme", sagte er. „Ich 
möchte euch aber etwas erzählen, um euch 
zu trösten. In der ersten Stunde, nachdem 
meine Frau gestorben war, wußte ich 
nicht, wie ich es ertragen, wie ich über- 
haupt ohne sie weiterleben sollte. Doch 
dann hat mich ein inniger Friede erfüllt, 
und seitdem bin ich gewiß, daß alles in 
Ordnung gehen wird. Macht euch keine 
Sorgen um uns, es wird alles gut werden." 

Der gleiche Trost durchdrang auch die 



Trauergemeinde, und jeder ging getröstet 
nach Hause. 

„Er wird der Welt die Augen auftun über 
die Sünde" (Johannes 16:8). 

In seiner großartigen Abschiedsrede 
hat König Benjamin den Heiligen erklärt, 
daß man, um den natürlichen Menschen 
zu überwinden, „auf die Eingebungen des 
Heiligen Geistes" hören muß (Mosiah 
3:19). Und im Hinblick darauf, daß der 
Heilige Geist sich sehr mit uns abmüht, um 
uns zu helfen, daß wir unsere Sünden 
überwinden, hat Alma seine Brüder auch 
ermahnt, „nicht mehr wider den Heiligen 
Geist zu streiten" (Alma 34:38). 

Das Folgende ist die wahre Geschichte 
von einem Geschäftsmann mittleren Al- 
ters, der sehr lebhaft gespürt hat, wie ihm 
der Heilige Geist eingegeben hat, er solle 
Gutes tun. 

Bruder Meier (der Name ist erfunden) 
rauchte schon seit zwanzig Jahren und 
konnte einfach nicht davon loskommen. 
Er wäre gern in der Kirche aktiv gewesen, 
doch irgendwie stellte seine Sucht eine 
scheinbar unüberwindliche Schranke zwi- 
schen ihm und dem Herrn und der Aktivi- 
tät in der Kirche dar. 

An einem stürmischen Wintertag saß er 
im Büro. Es widerte ihn an, daß er sich 
ständig eine Zigarette nach der anderen 
anzünden mußte. Auf einmal spürte er ei- 
nen leichten Rippenstoß, der ihn veran- 
laßte, seine Arbeit liegenzulassen und sei- 
nen Angestellten zu sagen, er gehe für den 
Rest des Tages fort. Obwohl es draußen 
fror und viel Schnee gefallen war, wan- 
derte er zu einer einsamen Gebirgs- 
schlucht. Er war nur darauf bedacht, für 
sich allein den Herrn zu suchen, um ihm 
sein Herz auszuschütten, und so wanderte 
er, bis er hüfttief im Schnee steckte und 
nicht weitergehen konnte. 



Jetzt wandte er sich aus tiefstem Herzen 
an den Herrn. Er flehte ihn an, er möge 
ihm Kraft geben, damit er sich von der 
tückischen Macht befreien könne, die das 
Nikotin auf ihn ausübte. Nach mächtigem 
Beten erhob er sich als neuer Mensch. 

Die Ketten waren gesprengt. Er hatte 



,, Manche von Gottes 

erwählten Knechten — 

nämlich Henoch, Mose und 

Elija — waren langsam im 

Reden. Eine starke 

Ausstrahlung und 

Beredtsamkeit sind wohl 

wünschenswert, wenn man 

das Evangelium predigt, 

doch entspringt die Bekehrung 

dem Heiligen Geist und nicht 

der Satzstruktur." 



nach der Wahrheit getrachtet, und die 
Wahrheit hatte ihn frei gemacht. Sechs 
Monate später wurde er als Bischof seiner 
Gemeinde berufen, und er diente treu und 
gut. 

„Er wird euch an alles erinnern . . ." 
(Johannes 14:26). 

Der angehende Universitätsprofessor 
hatte sich durch all die Jahre hindurchge- 
kämpft, in denen er auf seine Promotion 
an einer der führenden Universitäten des 
Landes hinarbeitete. Er hatte sich gewis- 
senhaft auf die letzten mündlichen Prü- 
fungen vorbereitet. Zusammen mit seiner 
Frau hatte er mehrere Tage lang intensiv 
gefastet und gebetet und darum gefleht, 



der Geist des Herrn möge ihm in der be- 
vorstehenden Prüfung beistehen. 

In der Nacht vor der mündlichen Ver- 
teidigung seiner Dissertation wälzte sich 
der junge Mann im Bett hin und her und 
konnte nicht einschlafen. Dann, als er sich 
allmählich entspannte, sah er vor seinem 
geistigen Auge die Fragen, die ihm am 
nächsten Morgen gestellt werden sollten. 
Und er fing an, sich im Geist schon die 
Antworten zurechtzulegen. 

Am nächsten Morgen erschien er zur 
festgesetzten Stunde zur Prüfung. Er 
wurde angenehm überrascht: Die erste 
Frage, die ihm das Prüfungskomitee vor- 
legte, war ihm auch am Abend vorher als 
erste in den Sinn gekommen. Und im 
Laufe der Prüfung wurden ihm die Fragen 
in genau derselben Reihenfolge gestellt 
wie nachts zuvor. Es erübrigt sich, zu sa- 
gen, daß er die Prüfung auf eindrucksvolle 
Weise absolvierte. Jetzt hat er Leben und 
Beruf dem Dienst am Herrn geweiht. 

Der Heilige Geist trägt den Menschenkin- 
dern das Evangelium ins Herz (s. 2. Nephi 
33:1). 

Der stattliche junge Amerikaner war 
erst seit wenigen Wochen in der Tsche- 
choslowakei. Ohne vorherige sprachliche 
Ausbildung war er hervorgekommen, um 
den Tschechen in ihrer Sprache das Evan- 
gelium zu predigen. Jetzt mußte er zum er- 
sten Mal vor einer Gruppe von Heiligen 
und interessierten Untersuchern predi- 
gen. Sein erfahrener Mitarbeiter hatte sich 
eifrig bemüht, ihm beim Abfassen seiner 
Rede zu helfen, und hatte ihm auch pho- 
netische Anweisungen gegeben, damit er 
diese äußerst schwierige Sprache auch 
aussprechen konnte. Jetzt mußte er sich 
allein vor die Gemeinde stellen. 

Die Stunde der Wahrheit war da, und 
der Mitarbeiter litt stumm, während sein 



junger Amtsbruder nach und nach jede 
Grammatikregel der tschechischen Spra- 
che verletzte. Es war allerdings nicht alles 
verloren, seine Aussprache war nämlich so 
grauenhaft, daß ihn sowieso kaum jemand 
verstand. 

Nach der Versammlung war der junge 
Älteste einigermaßen verlegen und ent- 
täuscht, bis eine mütterlich wirkende Un- 
tersucherin auf ihn zutrat. Ihr liefen Trä- 
nen über die Wangen, und mit zitternder 
Stimme sagte sie ihm (durch einen Dol- 
metscher): „Ich habe gespürt, daß alles, 
was Sie gesagt haben, wahr ist. Ich möchte 
mich gern taufen lassen." Im Buch Mor- 
mon steht die Verheißung: „Wenn ein 
Mann durch die Macht des Heiligen Gei- 
stes spricht, dann trägt diese Macht es ins 
Herz der Menschenkinder" (2. Nephi 
33:1). 

Manche von Gottes erwählten Knech- 
ten — nämlich Henoch, Mose und Elija — 
waren langsam im Reden. Eine starke 
Ausstrahlung und Beredtsamkeit sind 
wohl wünschenswert, wenn man das 
Evangelium predigt, doch entspringt die 
Bekehrung dem Heiligen Geist und nicht 
der Satzstruktur. 

„Der Tröster wird euch alles lehren" 
(Johannes 14:26). 

Die beiden jungen Leute sahen einan- 
der beunruhigt an, als die vier würdig aus- 
sehenden Männer ihre Wohnung betraten 
und sich auf das Sofa setzten. Die Mutter 
wiegte sanft die zwei Monate alten Zwil- 
linge, und die beiden anderen Kinder, die 
drei beziehungsweise fünf Jahre alt waren, 
starrten die Männer mit dem ernsten Ge- 
sichtsausdruck neugierig an. 

Jetzt sprach der Pfahlpräsident: 
„Schwester, wie wäre Ihnen zumute, wenn 
wir Ihnen heute sagen würden, daß der 
Herr Ihren Mann berufen hat, Bischof ei- 



ner brandneuen Gemeinde Zions zu wer- 
den?" 

Sie blickte ihre vier kleinen Kinder an 
und sah im Geist die Verantwortung vor 
sich, die auf sie zukam, wenn ihr Mann die 
Obliegenheiten eines Bischofs erfüllen 
mußte. Ohne zu zögern erwiderte sie: 



Er flehte den Herrn an, er 
möge ihm Kraft geben, damit 

er sich von der tückischen 

Macht befreien könne, die 

das Nikotin auf ihn ausübte. 

Nach mächtigem Beten erhob 

er sich als neuer Mensch. 



„Wenn der Herr es so will, werde ich mei- 
nen Mann unterstützen, so gut ich nur 
kann." 

Ihr Mann hatte schon damit gerechnet, 
daß irgendwann einmal eine solche Beru- 
fung auf ihn zukommen würde — viel- 
leicht wenn er vierzig, fünfzig war und sich 
hinreichend dafür bereitgemacht hatte. 
Doch jetzt war er kaum dreißig. Zwar 
hatte ihm der Geist vor ein paar Tagen 
eingegeben, daß die Berufung erfolgen 
würde, doch fühlte er sich völlig unzuläng- 
lich und überwältigt. 

Er brachte mehrere schlaflose Nächte 
damit zu, über die Bedeutung seiner Beru- 
fung nachzudenken. Wie organisiert man 
eine neue Gemeinde? Wie konnte er si- 
cher sein, wen der Herr als seine Ratgeber, 
als Beamtinnen und Lehrerinnen der 
FHV, als Heimlehrer, Sonntagsschulleh- 
rer, Gemeinde-Musikbeauftragte oder als 
Redakteur der Gemeindezeitung haben 



ö 



wollte? Er konnte das beunruhigende, 
leere Gefühl nicht abschütteln. 

Dann kamen ein paar Tage später alle 
Bischöfe im Pfahl mit der Pfahlpräsident- 
schaft zusammen. Ältere, erfahrene Bi- 
schöfe gaben Ratschläge und Empfehlun- 
gen weiter. Der junge Bischof bekam 
Handbücher mit Anweisungen, ein Bi- 
schofsschulungsbuch, Priestertumsnach- 
richten und weitere nützliche Unterlagen. 
Die Pfahlpräsidentschaft wußte Rat, die 
Brüder hatten in verschiedenen Ämtern in 
der Kirche reiche Erfahrungen gesam- 
melt. Und die Brüder knieten alle gemein- 
sam zum Beten nieder und erflehten den 
Geist des Herrn, damit er sie in ihrer 
Treuhandschaft als Richter in Israel füh- 
ren konnte. 

Später konnte der Bischof sich daran 
erinnern, daß er an diesem Tag bei der 
Heimfahrt die Gegenwart des Geistes 
stark verspürt hatte. So wie es einem in 
den Gliedern prickelt, wenn man zu lange 
in einer unbequemen Position gesessen 
hat und das Blut plötzlich in die Hand oder 
in den Fuß schießt, der eingeschlafen ist, 
konnte er das Eindringen des Geistes kör- 
perlich spüren. Ihm wurden Vertrauen 
und Trost zuteil. Jetzt widmete er sich voll 
Eifer einer guten Sache. 

In den darauffolgenden Jahren wurde 
dem Bischof die Begleitung des Heiügen 
Geistes immer wieder zuteil, während er 
Hunderte von Entscheidungen in bezug 
auf das Wohlergehen der Heiligen in sei- 
ner Gemeinde traf. Außerdem lernte er 
etwas sehr Wichtiges, nämlich „daß die 
Rechte des Priestertums unzertrennlich 
mit den Mächten des Himmels verbunden 



sind und daß diese nur nach den Grund- 
sätzen der Gerechtigkeit beherrscht und 
gebraucht werden können" (LuB 
121:36). 

Das ist ein Schlüssel zum Empfangen 
des Heiligen Geistes und der Macht des 
göttlichen Priestertums. Es heißt aber 
auch: „Daß sie uns übertragen werden 
können, ist wahr; wenn wir aber versu- 
chen, unsere Sünden zuzudecken oder nur 
im geringsten ungerechten Einfluß, 
Zwang oder Herrschaft über die Seelen 
der Menschenkinder auszuüben, siehe, 
dann entziehen sich die Himmel, der Geist 
des Herrn ist betrübt" (LuB 121:37). 

Wie bewahrt man sich den Einfluß des 
Heiligen Geistes? 

In Offenbarung aus unserer Zeit sagt 
der Herr, was man tun muß, um sich die 
Gabe des Heiligen Geistes zu bewahren, 
so daß der Heilige Geist ständig bei einem 
bleiben kann: 

„Laß dein Inneres erfüllt sein von Liebe 
zu allen Menschen und zum Haushalt des 
Glaubens, und laß Tugend unablässig 
deine Gedanken schmücken. Dann wird 
dein Vertrauen in der Gegenwart Gottes 
stark werden, und die Lehre des Priester- 
tums wird auf deine Seele fallen wie der 
Tau des Himmels. 

Der Heilige Geist wird dein ständiger 
Begleiter sein, und dein Zepter ein un- 
wandelbares Zepter von Gerechtigkeit 
und Wahrheit und deine Herrschaft eine 
unvergängliche, und sie soll dir ohne 
Zwang für immer und ewig zukommen" 
(LuB 121:45f.). 



Ich habe 
eine Frage 



Die Antworten sollen Hilfe und 
Ausblick geben, sind aber nicht als 
offiziell verkündete Lehre der 
Kirche zu betrachten. 



■=; ::■■»:.■;,...„;,,: 





Larry Hiller 

ist Bischof der 9. Gemeinde Taylorsville 
im Pfahl Utah Central Taylorsville 
und geschäftsführender Redakteur 
von „International Magazines". 



Wann soll ich 
nicht vom 
Abendmahl 
nehmen? 



Um diese Frage beantworten zu 
können, müssen wir uns zuerst mit 
einigen wichtigen Wahrheiten vertraut 
machen. Sünde ist die schwerste Bürde, 
die ein Mensch im Leben tragen kann. 
Und sich dieser Bürde zu entledigen, 
indem man die notwendigen Schritte 
zur Umkehr unternimmt, ist eines der 
befriedigendsten und erfreulichsten 
Erlebnisse, die einem zuteil werden 
können. Wenn nicht der Erretter und 
sein Sühnopfer gewesen wären, so müß- 
ten wir die Last der Sünde nicht nur 
in diesem Leben, sondern auch in alle 
Ewigkeit weiter tragen. Wir würden 
aus der Gegenwart Gottes ausgeschlos- 
sen und dem Teufel Untertan. 

Worte können die große Bedeutung 
des Sühnopfers in unserem Leben nur 
unzulänglich wiedergeben. Der Herr 
hat uns jedoch eine Verordnung gege- 
ben, um uns unablässig an das Sühnop- 
fer zu erinnern und uns zu helfen, daß 
wir es mehr schätzenlernen. 

Weil Jesus gestorben und auferstan- 
den ist, wird jeder, der je auf Erden 
gelebt hat, eines Tages auferstehen. 
Das Sühnopfer für die Sünde erstreckt 
sich jedoch nur auf diejenigen, die 
Jesus Christus anerkennen, von ihren 
Sünden umkehren und auf die rechte 



IC 



Weise und mit der rechten Vollmacht 
getauft werden. Vergebung unserer 
Sünden kommt durch das Sühnopfer 
Christi und unsere eigene Umkehr 
zustande. Durch die Taufe zeigen wir, 
daß wir ein Bündnis mit dem Herrn 
eingehen. 

Gewöhnlich haben wir nicht die 
Kraft, nach der Taufe völlig sündenfrei 
zu bleiben. Wir müssen daher die 
Grundsätze des Glaubens und der Um- 
kehr beständig weiter anwenden. Der 
Herr hat das Abendmahl eingesetzt, 
damit es uns helfe, das große Sühnopfer 
nicht zu vergessen, und auch, damit 
es uns ermögliche, daß wir uns der 
Bündnisse erneut verpflichten, die wir 
bei der Taufe geschlossen haben. 

Brot und Wasser erinnern uns an 
den Leib und das Blut Christi. In den 
Abendmahlsgebeten finden wir die 
Bündnisse wiederholt, die wir bei der 
Taufe geschlossen haben. Sie lauten: 
(1) daß wir den Namen Jesu Christi 
auf uns nehmen, (2) daß wir jederzeit 
seiner gedenken und (3) daß wir seine 
Gebote halten. Der Herr verheißt uns 
seinerseits, daß wir immer seinen Geist 
bei uns haben werden. 

Vor der Taufe wird von uns verlangt, 
daß wir von unseren Sünden umkehren, 
und genau dasselbe wird auch vor dem 
Abendmahl von uns gefordert. Im Buch 
Mormon heißt es: „Seht zu, daß ihr 
euch nicht unwürdig taufen laßt; seht 
zu, daß ihr nicht unwürdig vom Sakra- 
ment Christi nehmt" (Mormon 9:29). 

Der Herr hat uns geboten, vollkom- 
men zu werden, und das Abendmahl 
ist dabei ein wichtiger Bestandteil. 
Wenn wir im Lauf jeder Woche danach 
trachten, unsere Sünden zu überwinden 
und uns auf das Abendmahl am näch- 
sten Sonntag vorzubereiten, merzen 



wir allmählich jede Sünde in unserem 
Leben aus. Unser Gewissen wird feiner, 
weil wir für die Eingebungen des Heili- 
gen Geistes empfänglicher werden. 
Wenn wir uns also stets an den Erretter 
erinnern und uns bemühen, seine Ge- 
bote zu halten, haben wir den Heiligen 
Geist bei uns, wie es uns verheißen 
wurde. 

Wann sollen wir dann nicht vom 
Abendmahl nehmen? Da das Abend- 
mahl Teil des Vervollkommnungspro- 
zesses ist, erwartet der Herr bestimmt 
nicht von uns, daß wir schon vollkom- 
men sind, bevor wir es zu uns nehmen. 
Andererseits finden wir in den heiligen 
Schriften wiederholt die Warnung, 
nicht unwürdig vom Abendmahl zu 
nehmen. Der Herr sagte zu seinen 
Jüngern auf dem amerikanischen Konti- 
nent: „Ihr sollt nicht zulassen, daß 
irgend jemand von meinem Fleisch 
und Blut wissentlich unwürdig nimmt, 
wenn ihr es austeilt; 

denn wer von meinem Fleisch und 
Blut unwürdig ißt und trinkt, der ißt 
und trinkt Verdammnis für seine Seele" 
(3. Nephi 18:28, 29). 

Paulus hat eine ähnliche Warnung 
an die Korinther ergehen lassen. Darin 
gibt er uns auch einen weiteren Hinweis 
darauf, wie wir wissen können, ob wir 
vom Abendmahl nehmen sollen oder 
nicht. Er schreibt: „Der Mensch prüfe 
aber sich selbst, und so esse er von 
diesem Brot und trinke von diesem 
Kelch" (1. Korinther 11:28). 

Den Worten des Erretters an die 
Nephiten können wir entnehmen, daß 
diejenigen, die das Abendmahl austei- 
len, die Verantwortung dafür tragen, 
daß sie Unwürdige nicht am Abendmahl 
teilnehmen lassen. Da der Bischof der 
präsidierende Beamte einer Gemeinde 



11 



ist, ruht diese Verantwortung auf ihm. 
Jemand, der dem Bischof eine Sünde 
gesteht, kann also von ihm angewiesen 
werden, eine Zeitlang nicht das Abend- 
mahl zu nehmen, wobei die Zeit von 
der Schwere der Sünde, dem Grad 
der Umkehr und anderen Faktoren 
abhängt, die nur der Bischof in Anbe- 
tracht der gegebenen Umstände feststel- 
len kann. Wem die Gemeinschaft entzo- 
gen oder wer durch ein Kirchengericht 
aus der Kirche ausgeschlossen wurde, 
der ist automatisch auch vom Abend- 
mahl ausgeschlossen, bis er wieder 
in seinen vorherigen Stand aufgenom- 
men oder neu getauft wird. 

Wie Paulus uns gesagt hat, liegt auf 
uns die Verantwortung, unsere Würdig- 
keit zu überprüfen. Wenn wir uns einer 
Sünde schuldig gemacht haben, deren 
Schwere ein Geständnis beim Bischof 
erfordert, sollen wir natürlich solange 
nicht vom Abendmahl nehmen, bis 
die Sache bereinigt ist." Ob jemand 
von seinen Sünden umkehrt, könnt 
ihr daran erkennen: Siehe, er bekennt 
sie und läßt davon" (LuB 58:43). 

Wenn Sie nach dieser Selbstüber- 
prüfung noch im Zweifel sind, ob etwas 
mit dem Bischof besprochen werden 
soll oder nicht, dann rate ich Ihnen: 
Gehen Sie zu Ihrem Bischof. Er küm- 
mert sich um Sie, er rechtfertigt Ihr 
Vertrauen. Er kann Ihnen helfen, die 
Angelegenheit im rechten Licht zu 
sehen und zu erkennen, was Sie tun 
müssen, um Vergebung zu erlangen 
und wieder mit sich selbst im reinen 
zu sein. 

Wie steht es nun mit etwas, was 
nicht unbedingt dem Bischof unterbrei- 
tet werden muß? Hier müssen wir in 
unser eigenes Herz blicken. Sind wir 
uns unserer Sünden bewußt, und versu- 



chen wir, sie zu überwinden? Sind wir 
wirklich bereit, Umkehr zu üben? Ist 
unser Herz voll von Bitterkeit und 
Groll gegen andere, oder fühlen wir 
inneren Frieden? Leben wir rechtschaf- 
fener als in der Woche davor? Schätzen 
wir wirklich all das, was der Erretter 
für uns getan hat? Solche und ähnliche 
Fragen können wir uns stellen, bevor 
wir vom Abendmahl nehmen. Wenn 
uns wirklich etwas daran liegt, finden 
wir die Antwort im eigenen Herzen. 

Wenn wir innehalten und uns fragen: 
„Bin ich würdig?", sind wir in gewissem 
Sinne denen weit voraus, die routine- 
mäßig vom Abendmahl nehmen, ohne 
sich weiter Gedanken darüber zu ma- 
chen. Und wenn wir den Mut haben, 
nicht vom Abendmahl zu nehmen, 
wenn wir uns nicht würdig fühlen, dann 
haben wir einen wesentlichen Schritt 
im Prozeß der Umkehr getan, weil 
uns mehr daran liegt, was der Herr 
von uns hält, als was die Menschen 
denken mögen. 

„Wenn jemand erkennt, daß er un- 
würdig ist, und trotzdem nicht Umkehr 
übt, so soll er zwar die Abendmahlsver- 
sammlung besuchen, aber auch den 
Mut aufbringen, nicht vom Abendmahl 
zu nehmen. Wer sieht, daß jemand 
anders nicht vom Abendmahl nimmt, 
soll keine Gründe dafür suchen, denn 
wir sollen alle anerkennen, daß jeder 
das Recht hat, nicht vom Abendmahl 
zu nehmen, wenn er sich nicht würdig 
fühlt. Man soll weder die Abendmahls- 
versammlung meiden, weil man sich 
unwürdig fühlt, noch soll man vom 
Abendmahl nehmen, weil man sich 
dazu gezwungen fühlt, denn man soll 
auf keinen Fall , Verdammnis für seine 
Seele' trinken" (Sunday School Gospel 
Doctrine Manual 1967/68, S. 187). 



12 




DER SEGEN 
KAITI ZURÜCK 



% 



% 



Hans- Wilhelm Kelling 




Während ich vor einigen Jahren Präsi- 
dent der Deutschland-Mission München 
war, hatte ich ein ungewöhnliches glau- 
bensstärkendes Erlebnis. Ich hatte mich, 
wie ich es regelmäßig tat, mit meinen bei- 
den Assistenten, Bruder Bryce Betteridge 
und Bruder Gregory Smith, zusammenge- 
setzt. Ich wollte etwas, was ich gesagt hat- 
te, mit Nachdruck hervorheben und nahm 
dabei Bezug auf ein Erlebnis, das ich 
zwanzig Jahre zuvor als Missionar in Tren- 
ton/New Jersey gehabt hatte. Als der 
Name dieser Stadt fiel, warf Bruder Smith 
überrascht ein, daß er in Trenton geboren 
sei. Er fragte mich, wann ich denn dort auf 
Mission gewesen wäre. Ich antwortete: 
„1954". Da wurde er noch aufgeregter — 
in diesem Jahr war er nämlich geboren. Ich 
fragte ihn dann über seine Familie und 
plötzlich wurde mir klar, daß ich im Leben 
dieses jungen Mannes eine wichtige Rolle 



gespielt hatte. Die Einzelheiten fielen mir 
schnell wieder ein. 

Als mein Mitarbeiter und ich berufen 
wurden, in Trenton bei der Gründung ei- 
nes Zweiges mitzuwirken, gab es dort 
noch nicht viele Mitglieder. Der Herr seg- 
nete uns jedoch, und wir belehrten und 
tauften mehrere Familien. Der Zweig be- 
gann zu wachsen. 

Eines Tages kam eine gewisse Schwe- 
ster Smith zu uns und bat uns um einen be- 
sonderen Segen. Sie war ein Mitglied des 
Zweiges, und ihr Mann war damals inak- 
tiv. Sie war schwanger, und die Ärzte 
fürchteten, es könnte bei der Entwicklung 
und Geburt des Kindes zu Komplikatio- 
nen kommen. Sie folgte dem Rat des 
Herrn in den heiligen Schriften, hatte gro- 
ßen Glauben an den Herrn und sein Prie- 
stertum und bat daher um Hilfe. 



13 



Ich trug das Ereignis in mein Missio- 
narstagebuch ein und erinnere mich heute 
noch an das friedvolle Gefühl, das ich hat- 
te, als ich die Salbung siegelte. Unter dem 
Einfluß des Heiligen Geistes verhieß ich 
Schwester Smith, daß es zu keinen Kom- 
plikationen kommen würde und daß ihr 
Kind gesund und kräftig zur Welt kommen 
und dem Herrn dienen würde. 

Bald danach wurde ich versetzt, doch 
werde ich nie vergessen, wie ich Schwester 
Smith einige Monate darauf bei einer Di- 
striktskonferenz traf. Sie legte mir einen 
hübschen und gesunden kleinen Jungen in 
die Arme. Heute noch erinnere ich mich, 
wie Wärme und Dankbarkeit, demütiger 
Stolz und die Kraft des Priestertums mein 
Herz durchfluteten. In mein Tagebuch 
schrieb ich, daß ich zwar noch nicht wußte, 
wie man sich als Vater fühlt, daß es jedoch 
ein ähnliches Gefühl sein mußte wie das, 
das ich an diesem Tag für den kleinen Jun- 
gen der Familie Smith empfunden hatte. 

Nach meiner Mission brach die Verbin- 
dung zu den Smiths und ihrem Sohn ab. 
Als ich jedoch mit Bruder Smith und Bet- 
teridge in Deutschland im Missionsheim 
saß, fielen mir jene schönen Ereignisse 
wieder ein. Konnte das derselbe Junge 
sein, den ich 2 1 Jahre zuvor in den Armen 
gehalten hatte? Ich fragte Bruder Smith, 
ob ihm seine Mutter je etwas Ungewöhnli- 
ches von seiner Geburt erzählt hätte. 
Seine Antwort bestätigte meine Erwar- 
tungen, doch bat ich ihn, seiner Mutter zu 
schreiben, sie solle ihm Genaueres mittei- 
len. Zwei Wochen später kam die Ant- 
wort. Sie schrieb, daß ein Bruder Kelling, 
ein Missionar aus Deutschland, ihr tat- 
sächlich einen Segen gegeben habe und 
daß die Geburt ihres Sohnes infolgedessen 
normal verlaufen sei. 



Ich kann kaum in Worte fassen, was ich 
dann empfunden habe. Der Herr brachte 
einem demütigen Diener einen Segen zu- 
rück, den er Jahre zuvor jemand anders 
gegeben hatte. „Laß dein Brot über das 
Wasser fahren; denn du wirst es finden 
nach langer Zeit" (Prediger 11:1). Jener 
junge Mann, dem ich zwanzig Jahre zuvor 
geholfen hatte, war nun dort in Deutsch- 
land und diente an meiner Seite im Wein- 
berg des Herrn und half mir bei meiner 
heiligen Berufung. Durch die Priester- 
tumsmacht des Herrn war ihm Leben ge- 
währt worden — und mehr als das: Ge- 
sundheit, Energie und großer Glaube. All 
das setzte er ein, um dem Herrn zu dienen. 

Meine Seele war von Freude, von Stau- 
nen und Dankbarkeit für das Wirken des 
Herrn erfüllt. Ich hatte nicht gewußt, daß 
Bruder Smith in Trenton geboren war, als 
ich ihn zu meinem Assistenten berufen 
hatte. Ich war für 200 Missionare verant- 
wortlich und wußte natürlich nicht, wo ein 
jeder geboren war. Ich weiß, daß Bruder 
Smith aufgrund von Inspiration als mein 
Assistent berufen worden ist. Es war auch 
kein Zufall, daß er in die Deutschland- 
Mission München gesandt wurde. Genau- 
sowenig war es ein Zufall, daß in unserer 
Sitzung New Jersey erwähnt und daß Bru- 
der Smith darauf reagiert hatte. 

Und was waren die Folgen von all dem? 
Bruder Smiths Zeugnis vom Evangelium 
und von seiner Berufung wurde gestärkt. 
Mein eigenes Zeugnis von der Macht des 
Priestertums wurde gestärkt. Ich ver- 
spürte im Innersten, wie gut der Vater im 
Himmel zu uns ist — er hatte einen Diener 
gnädig und sanft und in großem Maße er- 
mutigt und ihm Gewißheit gegeben, um 
ihm bei einem überaus schwierigen Auf- 
trag zu helfen. 



14 



GEDANKEN, DIE MAN SICH DURCH 
DEN KOPF GEHEN LASSEN SOLLTE 

Hugh W. Pinnock vom Ersten Kollegium der Siebzig 



Es gibt Gedanken, die man sich durch 
den Kopf gehen lassen sollte und die un- 
sere Zeit auf Erden lohnender und inter- 
essanter machen. 

Was für Gedanken sind das? Ich 
möchte drei nennen. Der erste lautet: 

Du entwickelst dich gerade jetzt zu dem, 
was du in Zukunft sein wirst. 

Shakespeares Ophelia sagt in Hamlet: 

„Wir wissen, was wir sind, wissen aber 
nicht, was wir sein könnten." 

Da das Evangelium im 17. Jahrhundert 
noch nicht wiederhergestellt war, wußte 



nicht einmal Shakespeare wirklich, was 
aus einem Menschen werden kann; wir 
aber wissen es, und dieses Wissen erwei- 
tert unser Leben um eine Dimension, die 
ohne das Evangelium Jesu Christi nicht 
begreifbar ist. 

Spencer W. Kimball wurde nicht erst 
am 27. Dezember 1973 ein Prophet, son- 
dern gewissermaßen bereits in seiner Ju- 
gend, weil er sich auf das Kommende vor- 
bereitete. Wir werden heute schon durch 
unser Handeln, Denken und Reden er- 
höht. 




Spencer W. Kimball und sein Mitarbeiter auf Mission, L. M. Hawkes, 
Juni 1915 in St. Louis/Missouri 



15 



An der Universität von Utah kannte ich 
eine junge Frau, Kathy McKay, eine gute 
Musikerin. Ihre Eltern hatten sie gelehrt, 
daß ihre Stellung in der Ewigkeit von ihren 
täglichen Handlungen abhing. Sie war al- 
len ein Beispiel, die sie kannten. Ein 
Sportler aus einem anderen Bundesstaat 
begann sich bloß deshalb für das Evange- 
lium Jesu Christi zu interessieren, weil er 
sie beobachtete und ihre Reinheit erkann- 
te. Sie wußte, daß sie sich schon damals zu 
der Persönlichkeit entwickelte, die sie 
einmal sein würde. 

Ein zweiter Gedanke, den man sich 
durch den Kopf gehen lassen sollte, ist der: 
Heute könnte einer der wichtigsten Tage 
deines Lebens sein. Vince Lombardi, einer 
der besten Football-Trainer aller Zeiten, 
trainierte seine Spieler so, daß sie in jeder 
Spielphase ihr Bestes geben. Er erklärte 
dies folgendermaßen: „In jedem Foot- 
ball-Spiel gibt es nur fünf, sechs Schlüssel- 
phasen, von denen der Ausgang des Spie- 
les abhängt; niemand weiß jedoch, wann 
es zu diesen Phasen kommt, und daher 
müssen wir in allen Spielphasen alles ge- 
ben, was in uns steckt, damit die Gegner 
keine Punkte erreichen und damit wir 
selbst Punkte erreichen." 

So ist es auch im Leben. Wir haben im 
Leben fünf, sechs Schlüsseltage, vielleicht 
ein paar mehr: der Tag, an dem wir uns 
entschließen, alles, was wir sind und was 
wir haben, dem Herrn, Jesus Christus, zu 
geben; der Tag, an dem wir den besonde- 
ren Menschen finden, dem wir die Hand 
für alle Ewigkeit reichen können; der Tag, 
an dem wir sagen: „Ja Bischof, ich werde 
dem Herrn dienen, wohin ich auch gesandt 
werde." Es gibt nicht viele solche Tage, 
doch müssen wir jeden Tag so gut leben 
wie nur möglich, damit wir, wenn ein 
Schlüsseltag kommt, richtig handeln. 



Dann erringen wir den ewigen Lohn, der 
uns alle erwartet, wenn wir würdig sind. 

Ein dritter Gedanke, den man sich 
durch den Kopf gehen lassen sollte, lautet: 
Wenn Du Dich einer bestimmten Sache 
nicht auf die richtige Weise annimmst, tut es 
vielleicht niemand. Ich erinnere mich an 
ein Mädchen in meiner Schulzeit, das ver- 
schiedene Schwierigkeiten hatte. Sie war 
sehr arm und konnte sich nicht kleiden wie 
die anderen Schüler, und sie war unsicher 
und verängstigt. Doch ein Junge, der sie 
kannte, nahm sich die Zeit, sie zu begrü- 
ßen, wenn er sie sah. Eines Tages stand 
eine Geschichteprüfung bevor, und er 
machte ihr einen Vorschlag: „Setzen wir 
uns zusammen, und lernen wir gemein- 
sam!" Das taten sie dann auch, und das 
Mädchen merkte: in seinen Augen war sie 
als Mitmensch wertvoll. 

Die Wochen kamen und vergingen. Ei- 
nes Tages sagte sie jenem jungen Mann, 
daß er ihr das Leben gerettet hätte. „Was 
willst du damit sagen?" fragte er. 

„Erinnerst du dich noch an den Tag un- 
serer Geschichteprüfung?" 

„Gewiß." 

„Ich wollte mir an diesem Tag das Le- 
ben nehmen. Ich wußte: Ich bedeutete 
niemandem etwas, niemand hatte mich 
lieb. Die Leute machten sich über meine 
Kleidung lustig, über alles, was ich sagte, 
über mein Aussehen. Aber ich habe dir 
etwas bedeutet, und deshalb bin ich noch 
am Leben." Sie ist heute Krankenschwe- 
ster und hilft anderen Menschen. 

Wenn wir uns diese drei Gedanken 
durch den Kopf gehen lassen — daß wir zu 
dem werden, was wir sind, daß es „Schlüs- 
seltage" für uns gibt und wir uns verant- 
wortlich fühlen — und wenn wir daran 
glauben, wird es uns leichter fallen, das zu 
sagen, und zu tun, was gesagt und getan 
werden soll. 



16 



Ich war gerade neunzehn und erst rela- 
tiv kurze Zeit als Missionar in Japan. Ob- 
wohl ich an das Evangelium glaubte und 
rechtschaffen sein wollte, zweifelte ich 
ernstlich daran, ob ich wirklich so gut sein 
konnte, daß der Herr Gefallen an mir 
fand. 

Ich hatte Versuchungen wie Selbst- 
sucht, Stolz, Unkeuschheit, Macht und 
Geld gesehen — die Welt kann diese Ver- 

Das 

lieben, 

was 

Gott liebt 



Dennis R. Peterson 



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suchungen als sehr verlockend hinstellen; 
und ich fühlte mich schwach. Wie konnte 
ich all diese menschlichen Verlangen im 
Zaum halten? Manchmal war mir, als 
seien die Gebote eine Zwangsjacke, in die 
man freiwillig geschlüpft war und in der 
einen das Evangelium in eine unnatürliche 
Haltung zwang, während der Satan die 
Nähte dieser Jacke aufzutrennen suchte. 

Doch das war vor der Entdeckung, die 
ich machte. 

So wie viele Missionserlebnisse wurde 
auch diese Entdeckung durch eine beson- 
dere Familie ausgelöst. Als wir das erste- 
mal die Familie Uno besuchten, waren wir 
schockiert über das Verhalten des Vaters. 
Er beschimpfte seine Frau, und seine hüb- 
schen Knaben schreckten vor ihm mit 
angsterfüllten Gesichtern zurück. Doch er 
hörte uns zu und lud uns ein, wiederzu- 
kommen. Fünf Wochen später standen 
uns Tränen in den Augen, als wir einander 
Zeugnis vom Evangelium gaben und zu- 
sahen, wie Bruder Uno mit seinen kleinen 
Jungen — sie liebten ihn und er sie — 
tollte und lachte. 

Als mein Mitarbeiter und ich an jenem 
Abend weggingen, verspürte ich eine in- 
nige Freude wie nie zuvor in meinem Le- 
ben — ich dachte daran, wie diese lie- 
bende Familie in Ewigkeit vereint sein 
würde. Zugleich empfand ich heftige 
Angst, wenn ich mir vorstellte, daß ich 
selbst nicht dabei sein und mich mit ihnen 
freuen könnte. Da wurde mir klar, daß 
auch meine größte Anstrengung, mich vor 
der Sünde zu hüten, vielleicht nicht ausrei- 
chen würde, und ich kniete mich an jenem 
Abend nieder und flehte von ganzem Her- 
zen zum Herrn, er solle mir zeigen, wie ich 
rechtschaffen sein soll. 

Das betete ich jeden Tag, Woche für 
Woche, während meiner ganzen Mission 
und auch danach, und ich suchte eifrig in 



der Schrift nach einer Antwort. Und die 
kam dann eines Morgens. James E. Tal- 
mage erklärt in „Jesus der Christus", der 
Erretter „war imstande und besaß die Fä- 
higkeit, zu sündigen, wenn er es gewollt 
hätte . . . dennoch besteht seine Versiche- 
rung gegen die Falschheit nicht in einem 
äußerlichen Zwang, sondern darin, daß er 
sich davon zurückhält, weil er Gemein- 



de/? begriff endlich, daß sich 
Christus letzten Endes nicht 

mit seinem über alles 

mächtigen Willen verteidigte, 

sondern daß er bloß kein 

Verlangen nach den 

schmutzigen Alternativen 

des Satans verspürte, da 

er ja vom Heiligen Geist 

geleitet war. 

Er liebte das, 

was sein Vater liebte. 

schaft mit dem Geist der Wahrheit ge- 
pflegt hat" (S. 110). 

Für mich war dies ein Augenblick ech- 
ter Offenbarung. Ich begriff endlich, daß 
sich Christus letzten Endes nicht mit sei- 
nem über alles mächtigen Willen vertei- 
digte, sondern daß er bloß kein Verlangen 
nach den schmutzigen Alternativen des 
Satans verspürte, da er ja vom Heiligen 
Geist geleitet war. Er liebte das, was sein 
Vater liebte. Wenn seine Wünsche daher 
zu Taten wurden, gelangte in diesen Taten 
eine spontane Rechtschaffenheit zum 
Ausdruck, die aus dem tiefsten Grunde 
seines Herzens kam. 

Das war der Schlüssel: lieben, was auch 
Gott liebt, seine Wünsche zu meinen eige- 



18 



DER FREUND 
3/1981 





Der Kaktus, 

das Kreuz 
und Ostern 



Jeffrey R. Holland 

Bildungsbeauftragter der Kirche 



Wahrscheinlich hat jeder von uns 
schon einmal etwas erlebt, wo er je- 
mand gebraucht hat, der ihm helfen 
konnte. Ich kann mich an ein Erlebnis 
erinnern, wo ich als kleiner Junge 
wirklich Hilfe brauchte. Ich spielte auf 
einem Berghang in der Nähe unseres 
Hauses. Dabei fiel ich genau auf einen 
riesigen, stacheligen Kaktus. Tat das 
weh! Die spitzen Stacheln des Kaktus 
drangen durch meine Turnschuhe, 
durch meine Strümpfe, durch meine 
Hose, durch mein Hemd — sie durch- 
stachen einfach alles! Ich kam mir vor 
wie eine lebendige Zielscheibe. 
Ich schrie so laut auf, daß die Berge 
hätten erzittern können. Ich konnte 
nicht aufstehen, nicht hinunterstei- 
gen, weder hin noch her. Mir kam vor, 
daß die Nadeln mir bei jeder Bewe- 
gung tiefer und tiefer in die Haut 
drangen. So blieb ich nur dort und 
schrie. 



Ich war fünf Jahre alt, und mein älte- 
rer Bruder, der sofort zu Hilfe eilte, 
war acht. Als er mich und meine 
schwierige Lage sah, war er entsetzt. 
Doch er begann, die Stacheln heraus- 
zuziehen; aber das tat noch mehr weh, 
und so weinte ich noch lauter. Auch 
bluteten die Wunden der Stiche so 
sehr, wenn er die Stacheln herauszog, 
daß ich nach ein paar Minuten aussah 
wie eine Abbildung auf einem Plakat 
des Roten Kreuzes, das für Blutspen- 
den warb. 

Schließlich erkannte mein Bruder, 
daß es hoffnungslos war, die Stacheln 
herauszuziehen. Es waren noch Dut- 
zende von Stacheln zu entfernen, und 
ich heulte noch immer, so laut ich 
konnte. Da tat er das einzige, was ein 
achtjähriger Bruder tun konnte. Er 
rannte den Berg hinunter, holte sein 
kleines rotes Wägelchen und arbeitete 
sich damit mühevoll den Berg zu mir 



1 



hoch, wo ich — wie ich meinte — den 
Tod erwartete. Er schaffte es, mich — 
während ich dabei einen ordentlichen 
Krach schlug — aus dem Kaktus zu 
holen und ins Wägelchen zu setzen. 
Dabei mußte er sehr angestrengt zie- 
hen und zerren und mich heben. 
An den Rest der Geschichte erinnere 
ich mich nur noch undeutlich. Ich 
weiß, daß meine Mutter mir irgendwie 
die Kleidung auszog und die Stacheln 
entfernte. Woran ich mich jedoch 
ganz genau erinnere und was ich nie 






vergessen werde, ist der Gesichtsaus- 
druck meines Bruders, als er das Wä- 
gelchen zog und sich fest entschlossen 
zu mir durchkämpfte. Er sorgte sich so 
sehr um mich, daß er wirklich schwer 
arbeitete, um mich zu befreien. Und 
wenn ich hundert Jahre alt werden 
sollte, werde ich meinen Bruder wahr- 
scheinlich so am deutlichsten in Erin- 
nerung behalten, wie ich ihn damals 
sah. Ich brauchte ihn so dringend. 






Und er war da und kam, um mir zu 
helfen! 

Der Ostersonntag ist für uns immer 
ein besonderer Tag (für mich der be- 
ste im ganzen Jahr), und wir alle sollen 
dabei daran denken, daß wir einmal in 
einer ausweglosen Lage waren und 
jemanden brauchten, der uns half. Es 
war viel schlimmer als ein verlorenge- 
gangenes Tier, ein kaputtes Spielzeug 
oder ein Sturz in einen Kaktus. Es be- 
gann bei Adam und Eva und er- 
streckte sich bis in unser eigenes Le- 




ben. Wäre uns nicht geholfen worden, 
so hätten wir in der Gegenwart des Sa- 
tans und seiner verabscheuungswür- 
digen Nachfolger verbleiben müssen. 
Niemals könnten wir wieder mit unse- 
rer Familie zusammen sein, nicht mit 
unseren Freunden und nicht mit dem 
Vater im Himmel, der uns liebt. Wir 
wären für immer in einem Gefängnis. 
Aber Jesus, unser ältester Bruder, ließ 
sich nicht vom Satan gefangenneh- 



men. Er war außerhalb der Gefäng- 
nistore. Selbst wenn wir sehr alt wer- 
den, werden wir nicht ganz verstehen, 
wie es Jesus gelungen ist, uns freizu- 
bekommen. Es war so als besäße er 
den einzigen Schlüssel zum Gefäng- 
nistor, und nur er war stark genug, es 
zu öffnen. Dadurch rettete er uns das 
Leben, so daß unsere Familie für im- 
mer zusammenbleiben kann und wir 
eines Tages in unser Zuhause im 
Himmel zurückkehren können. Aber 
um dies für uns vollbringen zu kön- 
nen, mußte er einen schrecklichen 
Preis zahlen, einen Preis, für den wir 
ihn ehren und verehren müssen, in- 
dem wir seine Gebote halten. Er erlitt 
einen furchtbaren Tod am Kreuz. Als 
Jesus dort körperlich und geistig litt, 
dachte auch er einen Augenblick lang, 
er sei allein und ohne Hilfe. Und doch 
ließ er nicht davon ab, uns zu helfen. 
Jesus ist für uns gestorben, und nur die 
bebenden Berge und die verdunkelte 
Sonne schienen zu verstehen, welch 
großes Geschenk er dabei erbrachte. 
Dann aber geschah etwas Wunderba- 
res! Jemand, der gestorben ist und be- 
graben worden war, begann wieder zu 
leben. Dies nennen wir Auferstehung. 
In der friedvollen Umgebung eines 
Gartens im Frühling erhob sich Jesus 
aus seinem Grab, um wieder beim Va- 
ter im Himmel zu wohnen. Und wie 
schön ist es doch, daß er uns durch ein 
Wunder dieselbe Macht und das glei- 
che Recht gegeben hat. Ich weiß nicht 
genau, wie dies passieren wird, aber 
ich weiß, daß wir durch Jesus allen 
Zweifel, alle Traurigkeit und den Tod 
überwinden können. Und das bedeu- 
tet Ostern für mich. 




Das 

Abendmahlsgebet 



Susan Piele <äüasj 



Axel begann zu stottern, als er um 
Salz und Pfeffer bat, und da wußte ich, 
daß irgend etwas los war. Axel hatte 
schon immer Sprachschwierigkeiten. 
Als er zwei oder drei Jahre alt war, 
war es noch lieb, und als er fünf oder 
sechs war, gehörte es schon zu ihm, 
ohne daß es einen störte. Aber als er 
als Achtjähriger noch immer stotter- 
te, brachte ihn Mutter zu einem 
Sprachspezialisten. Danach ging es 
ziemlich gut mit ihm; nur wenn Axel 
aufgeregt war, stotterte er noch. 
Axel ist mein älterer Bruder, und ich 
weiß genau, wann er sich vor etwas 
fürchtet — nicht nur, weil er dann 
stottert, sondern auch, weil er sich 
dann ein bißchen anders benimmt. 



Er machte sich schon große Sorgen, 
weil er bald Priester werden und das 
Abendmahl segnen sollte. Nicht weil 
er dies nicht wollte — im Gegenteil. 
Das war es ja! Axel nimmt es mit so 
etwas ganz genau. Er wollte nicht, daß 
jemand während dieser heiligen 
Handlung kicherte — und schon gar 
nicht die Diakone in der ersten Reihe. 
Und das befürchtete Axel, wenn er 
das Gebet sagte. 

Axel liest sehr viel, und ich glaube, 
daß er dadurch darauf gekommen ist, 
Murmeln zu verwenden. Ein Grieche 
namens Demosthenes sagte sich einen 
auswendig gelernten Text laut vor, 
während er auf einen steilen Berg 



stieg, oder er nahm kleine Steine in 
seinen Mund und hielt eine Rede, bei 
der er versuchte, lauter zu sprechen 
als die Wellen des Ozeans tosten. Das 
tat er, um deutlicher sprechen zu ler- 
nen. 

Als Axel mir davon erzählte, dachte 
ich mir, daß dies recht dumm sei — es 
könnte ja sein, daß er ein Steinchen 
verschluckt. Aber ich glaube, Axel 
war richtig verzweifelt. Er wußte, daß 
Mutter böse werden würde, wenn sie 
ihn dabei erwischte, wenn er sich 
Steinchen in den Mund steckte. So fie- 
len ihm wahrscheinlich die Murmeln 
als Ersatz dafür ein. 
Damals sammelte ich Murmeln. Ich 
konnte zwar nicht viel mit ihnen an- 
fangen, aber mir gefielen die ver- 
schiedenen Farben und wie schön sie 
sind, wenn das Licht auf sie scheint. 
Eines Tages kam Axel die Stiegen zu 
meinem Zimmer herunter und stand 
lange in der Türöffnung. Er beobach- 
tete mich bloß. Manchmal steht mein 
Bruder so da, daß ich genau weiß, daß 
er etwas im Schilde führt — und dies- 
mal stand er genauso dort. Er war ein 
hochgewachsener Bursche, vielleicht 
ein wenig zu dünn, und er hatte sehr 
kurzes, sehr blondes Haar. Axel spielt 
im Sommer gern Ball, und da würde 
ihn längeres Haar stören. Als er mich 
so beobachtete, sah er irgendwie ver- 
ändert aus. Ich saß gerade auf meinem 
Bett und hatte alle Murmeln vor mir 
verstreut liegen. Es war eine Pracht! 
„Karin", sagte er endlich. Ich blickte 
auf und wartete. „Kannst du mir fünf 
oder sechs Murmeln verkaufen?" Da 
wurde er rot — jetzt hatte er sich ver- 
raten. Mein Bruder wird immer rot, 



wenn er über etwas spricht, was ihm 
wichtig ist. Der Sprachspezialist hat 
gesagt, daß dies den gleichen Grund 
wie das Stottern habe und daß es mit 
der Zeit vergehen würde. Nur hatte es 
sich bis jetzt noch nicht gebessert. 
Doch dann schien Axel seine Mei- 
nung zu ändern, und er sagte: „Es ist 
eigentlich nicht wichtig." 
Ich nahm eine rote Murmel in die 
Hand und hielt sie ins Licht, so daß ich 
die Blasen darin sehen konnte. 
„Wenn es nicht wichtig ist", fragte ich, 
„warum willst du sie dann kaufen?" 
Er gab mir keine Antwort, und ich 
wußte, daß er herumstottern würde, 
wenn er mir antwortete. Immerhin 
sah er mich an, und ich merkte, daß er 
sehr traurig war. Dann drehte er sich 
um und verließ das Zimmer. 
Später gab ich ihm natürlich ein paar 
Murmeln. Was hätte ich denn sonst 
tun sollen? 

Ich wusch sechs, trocknete sie ab und 
legte sie in eine Schachtel. Die 
Schachtel stellte ich auf sein Bett. Als 
er zum Abendessen kam, sagte ich: 
„Auf deinem Bett liegt etwas für dich, 
Axel." 

Auch da sagte er nichts, aber ich 
konnte in seinen Augen lesen. 
Lange Zeit hörte ich dann nichts mehr 
von den Murmeln. Axel ist sehr vor- 
sichtig, wenn er ein Geheimnis hat. 
Aber mit jedem Tag kam auch sein 
Geburtstag näher. Und jeden Sonn- 
tag, wenn das Abendmahl vorbereitet 
wurde, ertappte ich mich dabei, wie 
ich meinen Bruder ansah. Er kauerte 
auf seinem Platz, und ich konnte mir 
schon vorstellen, was er dabei dachte. 
Manchmal, wenn das Gebet gespro- 



chen wurde, vergaß ich fast, die Au- 
gen zuzumachen. Er hörte immer so 
gespannt zu, daß mir vorkam, daß er 
gut genug für uns beide zuhörte. 
Ich fürchtete mich davor, wenn je- 
mand einen Fehler machte und das 
Abendmahlsgebet noch einmal ge- 
sprochen werden mußte. Dann sah ich 
Axel an, und ich erkannte, daß es ihm 
weh tat, weil er daran dachte, was pas- 
sieren würde, wenn er dort knien und 
das Gebet sagen mußte. Er wollte es 
unbedingt ganz richtig sagen. Das war 
ihm wichtig, und ich wußte es! 
Eines Tages, als ich zu Hause die Stie- 
gen hinunterging, hörte ich ein Mur- 
meln. So sah ich mich um, weil ich wis- 
sen wollte, woher es kam. Es kam aus 
der Waschküche. Ich schaltete das 
Licht ab, ging, so leise ich nur konnte, 
zur Tür der Waschküche und machte 
sie auf. Axel stand bei der Waschma- 
schine und hatte meine Murmeln im 
Mund. Er sagte irgend etwas, was ich 
aber nicht verstehen konnte, weil er 
alle Murmeln im Mund hatte. 
Ich stand lange dort. Aber ich wollte 
nicht, daß Axel wußte, daß ich ihn ge- 
sehen hatte. Deswegen drehte ich 
mich um und ging fort. Dann kam ich 
noch einmal zurück, machte recht viel 
Lärm dabei und tat so, als brauchte ich 
eine Seife. Sofort hörte das Murmeln 
auf. Axel nickte, und ich ging hinaus 
und in mein Zimmer. Ein paar Minu- 
ten darauf hörte ich auch ihn herauf- 
kommen. 

Einige Wochen später hatte Axel Ge- 
burtstag. Am darauffolgenden Sonn- 
tag wurde er zum Priester ordiniert 
und hatte eines der Abendmahlsge- 
bete zu sprechen. 



Ich kann mich noch genau erinnern, 
wie ich da saß, ihn anstarrte und sah, 
wie das Licht auf sein blondes Haar 
fiel, so daß es richtig glänzte. Jungen 
müssen nicht schön sein — oder zu- 
mindest muß man es nicht zugeben, 
wenn sie es sind — aber Axel war es! 
Ich hatte für ihn solche Angst, daß ich 
meinte, mein Herz höre zu schlagen 
auf. Ich war mir sicher, daß ich wegen 
seiner Angst zu weinen beginnen 
würde. 

Plötzlich sah er genau zu mir her, und 
er hatte einen Ausdruck in den Au- 
gen, aus dem ich erkennen konnte, er 
wußte, daß er seine Sache gut machen 
würde. Dann kniete er sich hin, so wie 
die Priester es tun, und begann, das 
Gebet zu sprechen. Nur alte Schwe- 
stern weinen während des Abend- 
mahls, aber an diesem Sonntag 
konnte ich auch nicht anders. Axels 
Stimme klang weich, aber man hörte 
sie überall im Gottesdienstraum. Ich 
habe noch nie jemanden so beten ge- 
hört wie ihn an diesem Sonntag. Er 
begann: „O Gott, du ewiger Vater, 
wir bitten dich ..." Und er machte 
keinen einzigen Fehler dabei. 

Ich saß da und weinte, weil es so schön 
war und weil ich meinen Bruder liebe! 
Und als ich an diesem Abend in mein 
Zimmer kam, lagen die Murmeln 
wieder auf meinem Bett. 
Eines Tages werde ich wohl alt wer- 
den, und ich kann nicht viel daran än- 
dern. Aber selbst wenn ich neunzig 
bin, werde ich diese Murmeln noch 
besitzen, ebenso wie die Erinnerung 
an das erste Mal, als Axel das 
Abendmahl gesegnet hat. 



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1808 



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1887 



JOHN TAYLOR 



John Taylor war der dritte Präsident der 
Kirche. Er und seine Frau wurden 1836 in 
Kanada bekehrt. Als Missionar reiste er 
Tausende von Kilometern. 1844 entrann 
er nur knapp dem Tod, als Joseph und Hy- 
rum Smith im Gefängnis in Carthage er- 
mordet wurden. Er konnte sich gegen den 
wütenden Mob nicht verteidigen, und so 
lief Bruder Taylor zum Fenster, um hin- 
auszuspringen. Dies gelang ihm aber 
nicht, da er von einem Schuß am Ober- 
schenkel getroffen wurde. Ein weiteres 
Geschoß wäre ihm in die Brust gedrungen 



und hätte ihn getötet, wenn es nicht auf 
seiner silbernen Taschenuhr aufgeschla- 
gen hätte, die er bei sich trug. 

Mit neunundsechzig Jahren wurde er 
Präsident der Kirche. Dieses Amt hatte er 
von 1880 bis 1887 inne. Sowohl für ihn 
selbst als auch für die Kirche war dies ge- 
rade eine schwere Zeit, aber er blieb doch 
seiner Familie und seinen Freunden ge- 
genüber immer freundlich und liebevoll. 
Oft forderte er die Kinder auf, mit ihren 
Eltern zu den Versammlungen der Kirche 
zu kommen, und dann zeigte er ihnen 
seine kaputte Taschenuhr und erzählte ih- 
nen, wie es dazu gekommen war. Er freute 
sich an geselligen Zusammenkünften und 
hatte einen Sinn für Humor. 




Das macht Spaß 



Beverly Johnston 




Max glaubt, er sei ganz allein in seinem Baumhaus. Wahrscheinlich hat er die 

zwölf Vögel nicht bemerkt, die um ihn sind. Kannst du sie finden? Male sie 

an, damit sie nicht wieder verlorengehen. 



nen machen und auf diese Weise tatsäch- 
lich so werden wie er. Meine Schwierigkeit 
bestand darin, daß ich versucht hatte, auf 
göttliche Weise zu handeln, während ich 
mich nach ungöttlichen Dingen gesehnt 
hatte. Wenn ich die Wünsche meines Her- 
zens ändern konnte, würde ich auch un- 
mittelbar auf gottähnliche Weise zu han- 
deln beginnen. 




Ich verspürte eine Hoffnung, wie ich sie 
noch nicht gekannt hatte. Ich wandte mich 
wieder den heiligen Schriften zu und 
trachtete, gleichsam hungernd, herauszu- 
finden, was Gott liebt. Mormon hatte die 
Erklärung für mich in Worte gefaßt. Was 
ich brauchte, war Nächstenliebe, die 
„reine Christusliebe". Und die konnte ich 
empfangen, indem ich Mormons Rat be- 
folgte: „Betet deshalb mit der ganzen 
Kraft eures Herzens zum Vater, damit ihr 
mit dieser Liebe erfüllt werdet, die er allen 
wahren Nachfolgern seines Sohnes Jesus 
Christus verliehen hat." Und Mormon 
fügte auch die Verheißung hinzu, die ich 
brauchte: „. . . damit ihr Söhne Gottes 
werdet . . ., damit wir gereinigt werden, 



nämlich wie er rein ist" (Moroni 7:47, 48). 

Vorsichtig wählte ich mein erstes Ziel. 
Es war durchaus nichts Großartiges, doch 
handelte es sich um eine hartnäckige 
Schwierigkeit. Ich ging nicht gern zur Kir- 
che. Daher betete ich morgens und 
abends: „Herr, segne mich, damit mir un- 
sere Gottesdienste dasselbe bedeuten wie 
dir. Hilf mir, darin dasselbe zu finden wie 
du. Hilf mir, daß ich mich so beteiligen 
kann, wie du es möchtest." Und in der Tat 
geschah etwas Unglaubliches. Der Sonn- 
tag wurde zu einem schöneren Tag. Ich 
sehnte mich schon danach, die anderen 
Mitglieder der Kirche zu begrüßen, sie an 
meinem Zeugnis teilhaben zu lassen, von 
den Lehren zu lernen, in Liedern die Ge- 
fühle auszudrücken, die ich nicht in Worte 
fassen konnte, und die Sinnbilder des Op- 
fers unseres Erretters voll Demut und 
Dankbarkeit zu nehmen. Der Sonntag 
wurde zum Sabbat. In die Kirche gehen 
bedeutete nicht mehr, daß ich den Wunsch 
unterdrückte, mich auszuruhen, zu lesen, 
zu studieren, Ski zu fahren oder mich zu 
unterhalten. Es war nun Ausdruck eines 
rechtschaffenen und von Liebe getrage- 
nen Verlangens. 

Dieses Erlebnis verlieh einer weiteren 
Schriftstelle neue Bedeutung. Die Lehren 
des Priestertums hatten in der Tat ange- 
fangen, „auf meine Seele zu träufeln wie 
der Tau vom Himmel". Als ich spürte, wie 
der Heilige Geist mich begleitete und ich 
den Sabbat von selbst und ohne Zwang 
heiligzuhalten begann, flössen mir die Se- 
gnungen des Priestertums zu (s. LuB 
121:45, 46). Im Laufe dieses erstaunli- 
chen Erlebnisses wuchs mein Glaube, und 
in mir erwachte die Hoffnung, daß ich 
mich durch die Anforderungen, die an 
mich herankamen, von nun an ändern 
würde. 

Eine weitere Schwierigkeit war für 



19 



mich jemand, mit dem ich eng zusammen- 
arbeitete. Ich bewunderte diesen Mann 
nicht gerade, und er hegte gegen mich of- 
fenbar eine tiefe Abneigung. Als unser 
Verhältnis gespannter wurde, mußte ich 
feststellen, daß er meine Arbeit absicht- 
lich sabotierte und mich stichelte, um 
Streit zu provozieren. Ich reagierte darauf, 
wie es für einen natürlichen Menschen üb- 
lich ist, und bald entstand eine erbitterte 
Fehde. In ruhigeren Augenblicken wurde 
mir klar, daß ich mich auf diese Weise 
selbst zerstörte und daß der Geist mich 
wegen dieser Streitigkeit verließ. 

Wieder wandte ich mich an den Herrn 
und betete morgens und abends: „Vater, 
ich habe furchtbare Schwierigkeiten mit 
diesem Mann. Bitte segne mich, damit ich 
ihm gegenüber dasselbe empfinde wie 
du." Bald begann ich ihm einen völlig an- 
deren Menschen zu sehen als zuvor. Ich 
erblickte in ihm nun einen empfindsamen, 
leicht gekränkten Menschen, der sich ein- 
sam und verwundbar fühlte und in neuen 
Situationen Angst hatte. Ich begann die 
großen Kräfte zu erkennen, die er entwik- 
kelt hatte und die ihn so weit gebracht hat- 
ten. Doch mehr noch, ich begann für ihn 
nach und nach Achtung und sogar Be- 
wunderung zu empfinden. Hier war ein 
Sohn Gottes, den Gott liebte und schätzte. 
Und wer kann anders als einen solchen 
Menschen lieben? Ich nicht. Die Liebe 
kam einfach von selbst. Wieder hatte sich 
ein kleiner Teil meines Herzens verändert, 
und die Verheißung des Herrn hatte sich 
erfüllt. 

Ich hatte erfahren, daß man den Herrn 
manchmal wochenlang zumindest zwei- 
mal täglich bitten muß, bis sich eine solche 
Veränderung ergibt. Doch letztlich 
kommt es dazu, und wenn wir „mit Stand- 
haftigkeit in Christus vorwärtsstreben und 
vollkommen klare Hoffnung und Liebe zu 



Gott und allen Menschen haben", brau- 
chen wir diese Freude und diesen Frieden 
nicht zu verlieren (2. Nephi 31:20). 

Welche Wunder würden doch voll- 
bracht werden, wenn wir andere mit der- 
selben Freude liebten, die unser ewiger 
Vater empfindet, oder wenn wir vor unse- 
ren Kindern dieselbe Achtung hätten wie 
er und sie mit derselben Weisheit erziehen 
würden, wie er es tut? Wenn wir liebten, 
was Gott liebt, wie stünden wir dann zum 
Geld, zum Beten, zur Ehrlichkeit, zur Ar- 
beit und zu unseren Berufungen in der 
Kirche? 

Wenige unter uns erleben die dramati- 
sche „mächtige" Veränderung, die sich 
unter den Zuhörern des Königs Benjamin 
in einem Augenblick vollzogen hat: „Wir 
haben keine Neigung mehr, Böses zu tun, 
sondern wollen beständig Gutes tun" 
(Mosiah 5 : 2) . Die meisten von uns ändern 
sich langsam, Zeile um Zeile, Vorschrift 
um Vorschrift, Gnade um Gnade, bis man 
über uns sagen kann: er „ist langmütig und 
freundlich, . . . eifert nicht, . . . treibt nicht 
Mutwillen, . . . blähet sich nicht, . . . stellet 
sich nicht ungebärdig, . . . suchet nicht das 
[Seine], . . . läßt sich nicht erbittern, . . . 
rechnet das Böse nicht zu, freuet sich nicht 
der Ungerechtigkeit, . . . freuet sich aber 
der Wahrheit; . . . verträgt alles, . . . glau- 
bet alles, . . . hoffet alles, . . . duldet alles" 
(1. Korinther 13:4-7). 

Wir könnten die Vermutung anstellen, 
daß die Menschen, die himmlische Throne 
und ewige Leben ernten werden, diejeni- 
gen sind, die das Gute, das Wahre und das 
Reine so sehr und so von sich aus lieben, 
daß sie sich Tag für Tag dafür entscheiden 
würden, auch wenn es nach diesem Leben 
kein weiteres Leben gäbe. Für so jeman- 
den ist die Rückkehr in unsere Heimat im 
Himmel so natürlich wie das Erwachen am 
Morgen auf dieser Seite der Ewigkeit. 



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Constance Polve 






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Ich war tief erschüttert von der Armut, 
die sich meinen Augen darbot, als ich über 
den staubigen, von Gerumpel übersäten 
Weg auf die alte, halbverfallene Hütte zu- 
ging. Das Dach war auf der einen Seite 
eingebrochen. Die kaputten Fenster- 
scheiben waren flüchtig mit alten Zeitun- 
gen überklebt, und Glasscherben, Nägel, 
alte Dosen und anderer Müll verliehen 
dem Grundstück ein trostloses Aussehen. 
Zerschlissene Gardinen hingen lose hinter 
den Fenstern, und innen erblickte ich ruß- 
geschwärzte Wände und Fußböden. Ein 
ganzes Rudel Katzen machte sich vor mir 
davon, als ich den Weg entlangschritt. Als 
ich an die verwitterte Tür klopfte, dachte 
ich flüchtig an das bequeme Leben, an das 
ich mich an der Brigham-Young-Univer- 
sität gewöhnt hatte, und einen Augenblick 
lang sehnte ich mich nach der Sicherheit 
zurück, die ich dort empfunden hatte. 
Aber jetzt war ich als Schwesternschülerin 
hier, weit weg von Provo, und war nicht 
ganz sicher, ob ich den Anforderungen 



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gewachsen war, die man an mich gestellt 
hatte. 

Angefangen hatte es einige Wochen zu- 
vor in einem Kursus über das öffentliche 
Gesundheitswesen. Im Rahmen dieses 
Kurses wurde von uns ein praktischer Ein- 
satz als Schwesternschülerin verlangt. Ich 
hatte vorgehabt, in Salt Lake zu arbeiten, 
doch am ersten Tag hatte der Ausbilder 
gesagt, daß im Gesundheitsamt einer 
Kleinstadt Schwesternschülerinnen als 
Arbeitskräfte gebraucht wurden. Ich 
fühlte plötzlich in mir den Drang, mich 
freiwillig zu melden. Ich wollte ihn unter- 
drücken, konnte es aber nicht, und es dau- 
erte nicht lange, bis ich in eine neue Hei- 
mat und zu neuen Aufgaben unterwegs 
war. 



Am Tag nach meiner Ankunft meldete 
ich mich bei zwei Diplomkrankenschwe- 
stern im Gesundheitsamt — die einzigen 
im ganzen Distrikt. Sie waren hoffnungs- 
los überlastet. Ich sah die Akten — Hun- 
derte von Fällen, alles Leute, die medizini- 
sche Hilfe in irgendeiner Form brauchten. 
Mir wurde angst und bang, als ich erkann- 
te, daß es hier keine Zeit gab, im einzelnen 
zu beobachten und zu lernen. Ich würde 
einfach mitarbeiten und auf das Beste hof- 
fen müssen. 

Die Amtsleiterin übertrug mir drei Fäl- 
le, sah mich nachdenklich an und sagte 
dann: „Ich habe für Sie noch einen Fall, 
aber ich bin mir nicht ganz sicher." Sie 
hielt eine dicke, vergilbte Aktenmappe in 
der Hand. 

,, Diese alte Frau hat ein schweres ge- 
sundheitliches Problem, und sie weist jede 
Hilfe von sich. Sie tut das bereits seit zwei 
Jahren, und ich mag nicht mehr versuchen, 
ihr zu helfen. Wenn Sie glauben, daß Sie es 
mit ihr versuchen möchten, und wenn Sie 
versprechen, daß Sie im Fall eines Mißer- 
folges nicht enttäuscht sind, gebe ich Ih- 
nen diesen Fall." Ich empfand Mitleid für 
diese alte Frau, die ich nie gesehen hatte, 
und ich wußte, daß ich es versuchen muß- 
te. 

Ich las ihren Akt durch und stellte fest, 
daß sie Ende 70 war und sich bei einem 
Unfall einige Jahre zuvor das rechte Bein 
gequetscht hatte. Es war zu keinem Kno- 
chenbruch gekommen, doch wichtige 
Blutgefäße und Muskeln waren beschä- 
digt worden. Obwohl man sie behandelt 
hatte, war die Durchblutung des rechten 
Beines beeinträchtigt. In regelmäßigen 
Abständen kam es zu Blutstauungen, wo- 
bei sich Abfallstoffe ansammelten und 
Druck auf die benachbarten Gewebeteile 
ausgeübt wurde, so daß das gesunde Ge- 



22 



webe abstarb und sich auflöste und Ge- 
schwüre entstanden. Dieser Zustand hatte 
sie geplagt, bis sie endlich zu einem Arzt 
gegangen war. Es war ein guter Arzt, doch 
war er ihr gegenüber gefühllos und un- 
freundlich gewesen. Wegen dieses einen 
unglücklichen Vorkommnisses hatte sie 
große Angst bekommen und sich ent- 
schlossen, nie wieder zu einem Arzt zu ge- 
hen. Der Doktor konnte die Behandlung 
nicht mehr zu Ende führen, und infolge- 
dessen war ihr Bein sehr schmerzhaft, infi- 
ziert und unbrauchbar geworden. Es war 
von großen eitrigen Geschwüren bedeckt, 
und es wurde Blut zusammen mit abge- 
storbenem, schwarzgelbem Gewebe abge- 
sondert. An einigen Stellen faulte das 
Fleisch. 

Die alte Frau lebte wie eine Einsiedle- 
rin, und der einzige Kontakt, den sie zur 
Umwelt hatte, war ein Nachbarskind, dem 
sie Geld gab, damit es für sie einkaufte und 
Erledigungen machte. Andere Leute hat- 
ten versucht, ihr zu helfen, doch die alte 
Frau war verängstigt und ließ niemand zu 
sich. 

Trotzdem war ich nicht wirklich vorbe- 
reitet, als ich an jenem ersten Tag zu der 
gebeugten alten Frau mit dem grauen, 
langen und wirren Haar ging. Sie hum- 
pelte an die Tür und ließ mir kaum genü- 
gend Zeit, um zu sagen, wer ich war. Sie 
wies mich von der Tür und sagte, sie wolle 
mit keiner Krankenschwester etwas zu tun 
haben. Aber ich wußte: in Ruhe lassen 
konnte ich sie nicht. Mir war in ihrem 
Haus ein Geruch aufgefallen, den ich nur 
einmal zuvor gerochen, aber nie wieder 
vergessen hatte. Sie bekam Gangrän (Ge- 
webstod). 

Die Amtsleiterin bestätigte meine Dia- 
gnose und wollte, daß ich den Fall abgäbe. 
Sie sagte, die alte Frau lebe vielleicht nur 








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noch ein paar Wochen, und wenn sie starb, 
während eine Schwesternschülerin den 
Fall betreute, würde mich vielleicht der 
Bezirksanwalt verhören und meine Kom- 
petenzen als Krankenschwester in Frage 
stellen. Sie sagte, sie würde die Verant- 
wortung übernehmen. Ich konnte jedoch 
nicht zulassen, daß die alte Frau ihr Leben 
so schmerzlich und allein beendete und 
bat die Leiterin, sie solle mir noch eine 
Woche gewähren. Wie durch ein Wunder 
stimmte sie zu. 

Am zweiten Tag ließ mich die alte Frau 
hinein, und wir redeten über alles mögli- 
che, nur nicht über ihren Gesundheitszu- 
stand. Ich ging nach Hause und weinte. Ich 
war sicher, ich würde sie nie davon über- 
zeugen können, daß sie Hilfe brauchte. 



23 



Am dritten Tag besuchte ich sie wieder 
und stellte sie vor die Tatsache, daß sie 
sterben würde, wenn sie sich nicht behan- 
deln ließe. Doch das schien ihr gleichgültig 
zu sein, da es ohnehin nichts gab, wofür sie 
leben sollte. 

Ich kehrte in meine Wohnung zurück 
und war zutiefst entmutig. Was konnte ich 
tun, wenn sie sich nicht helfen ließ? Ich 
konnte mich an niemanden wenden, ich 
konnte nur beten. Ich hatte für sie bereits 
gebetet, doch diesmal kniete meine Zim- 
merkollegin besorgt neben mir, und wir 
schütteten dem Herrn unsere Seele aus 
und baten ihn um Weisheit und Führung. 

Die nächsten Tage vergingen, ohne daß 
etwas Besonderes geschah. Ich bemühte 
mich, Glauben zu haben, und betete ohne 
Unterlaß. Am fünften Tag kam die Ant- 
wort. Plötzlich wußte ich, was ich tun muß- 
te. Ich hörte keine Stimmen und sah keine 
Visionen und vernahm weder von innen 
noch von anderswo einen Vorschlag — ich 
wußte einfach, was ich tun sollte. Ich 
stellte meinen Plan zusammen und eilte 
zum Haus der alten Frau. Ihre Augen 
glänzten, als ich ihr das schäumende Was- 
serstoffperoxyd zeigte, das ich mitge- 
bracht hatte. Sie war davon beeindruckt 
und fragte, ob man auch im Krankenhaus 
so schmerzlose Medikamente und Be- 
handlungen verwenden würde. Ich versi- 
cherte ihr, daß man sich die größte Mühe 
geben würde, ihren Krankenhausaufent- 
halt so angenehm wie möglich zu machen. 
Ich fuhr schnell hinüber zur Klinik und 
kündigte an, daß die alte Frau, die sich so 
sehr vor Ärzten fürchtete, vielleicht doch 
bald kommen würde. 

Am nächsten Tag mußte ich übers Wo- 
chenende zurück nach Provo. Ich ließ sie 
nicht gern allein, doch machte mir eine 
liebevolle und besorgte Nachbarin — die 
Mutter des kleinen Mädchens, das für die 



Frau einkaufte — die Entscheidung leich- 
ter. Sie freute sich über die Veränderung, 
die mit der Frau vorging. Sie versprach, zu 
helfen, wo sie nur konnte. 

Als ich zurückkam, stellte ich fest, daß 
meine alte Freundin den Mut gefunden 
hatte, in die Klinik zu gehen. Das ganze 
Gesundheitsamt war in Hochstimmung. 
Ich eilte in das Krankenzimmer der alten 
Frau. Sie begrüßte mich mit einem saube- 
ren, strahlenden Gesicht. „Ich bin in die 
Klinik gegangen. Sie haben mich über- 
zeugt", sagte sie. Dann fragte sie mich, 
welcher Kirche ich denn angehörte. Als 
ich zur Antwort gab, daß ich eine Heilige 
der Letzten Tage war, sagte sie: „Das habe 
ich mir gedacht. Vom ersten Tag an habe 
ich gewußt, daß Sie zu mir gesandt waren. 
In Ihrem Gesicht war ein Licht, das ich 
schon bei anderen Ihres Glaubens be- 
merkt hatte. Ich mußte Ihnen einfach ver- 
trauen." 

Stellen Sie sich vor, von welcher Freude 
meine Seele erfüllt war! Gott hatte in einer 
Woche bewirkt, worum sich andere seit 
zwei lahren bemüht hatten. Ein solches 
Gefühl der Erleichterung hatte ich noch 
nie erlebt. Ihr Bein war nach drei Monaten 
vollständig geheilt. Die Mormonenge- 
meinde in ihrer Nähe setzte ihr Haus und 
ihren Garten im Rahmen eines Dienstpro- 
jekts instand. Die Missionare besuchten 
sie, und bald darauf wurde sie getauft. 

Jetzt besucht sie regelmäßig die Sonn- 
tagsversammlungen, und sie hat wieder 
Freude am Leben. Ich bin unendlich 
dankbar dafür, daß ich diese Tochter un- 
seres Vaters im Himmel kennen und lie- 
ben gelernt habe. Was ich mit ihr erlebt 
habe, hat mich gelehrt: mit beständigem 
Glauben und fortwährender Anstrengung 
findet man auch die verborgensten Schät- 
ze. Und hat man sie einmal gefunden, ist 
man für immer ein anderer Mensch. 



24 











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Dean L. Larsen vom Ersten Kollegium der Siebzig 



Unlängst führte ich eine Unterredung 
mit einem jungen Mann, der auf Mission 
gehen wollte, jedoch als Jugendlicher ei- 
niger schwerer Übertretungen schuldig 
gewesen war. Er kam aus einer aktiven 
Mormonenfamilie und war selbst immer 
ein aktives Mitglied der Kirche gewesen, 
selbst zu der Zeit, als er die Übertretungen 
begangen hatte. Schließlich war er zu sei- 



nem Bischof gegangen und hatte seine 
Fehler bekannt. Mehr als ein Jahr lang war 
sein Leben nun frei von den früheren 
Schwierigkeiten gewesen, und er wartete 
bereits ungeduldig darauf, eine Mission zu 
erfüllen. 

Als wir über seine Situation und über 
die Entscheidungen sprachen, die er in 
seinem früheren Leben getroffen hatte 



25 



und die zu seinem fragwürdigen Stand in 
der Kirche geführt hatten, sagte er: „Nun, 
ich habe gewußt, daß ich falsch handelte, 
und ich war sicher, daß ich eines Tages 
wieder alles in Ordnung bringen und auf 
Mission gehen würde." 

Zwar freute ich mich über das Verlan- 
gen dieses jungen Mannes, sein Leben 
wieder in Ordnung zu bringen und dem 
Herrn als Missionar zu dienen, doch war 
ich besorgt über die geplante, berech- 
nende Art, wie er den rechten Weg verlas- 
sen hatte, um destruktiv und unmoralisch 
zu handeln; und schließlich hatte er sich 
wieder zu dem Entschluß durchgerungen, 
gehorsam zu sein — fast so, als wäre er 
nach einem von ihm selbst festgesetzten 
Zeitplan vorgegangen. 

Wäre meine Erfahrung mit diesem jun- 
gen Mann ein Einzelfall, so wäre sie hier 
wohl kaum der Erwähnung wert. Leider 
handelt es sich jedoch um keinen Einzel- 
fall. Offenbar gibt es unter jungen Leuten 
eine zunehmende Tendenz und Versu- 
chung, die verbotenen Dinge der Welt 
auszuprobieren — nicht mit der Absicht, 
für immer daran festzuhalten, sondern 
man entschließt sich bewußt, derlei einen 
Augenblick lang auszukosten, als ob es 
sich um Werte handelte, die zu bedeutend 
oder aufregend sind, als daß man daran 
vorübergehen könnte. Darin liegt eine der 
großen Prüfungen unserer Zeit. 

Während sich viele von solchen Ausflü- 
gen in den Bereich des Verbotenen wieder 
erholen, kommt es immer häufiger zu 
Tragödien, die im Leben vieler Not und 
Verzweiflung hinterlassen und deren Fol- 
gen lange andauern. Es gibt keine ganz 
private Sünde. Zwar kann man planen und 
im voraus beschließen, daß man eine 
Sünde begeht, doch über die Folgen hat 
der Schuldige keine Kontrolle. Denkt man 
gegenteilig, so ist man das Opfer einer der 



heimtückischsten Lügen, die der Vater der 
Lügen je verbreitet hat. 

Kürzlich besuchte ich eine Abgangs- 
feier an einer Schule in dieser Stadt. Die 
Schüler, die man gebeten hatte, im Namen 
ihrer Klassenkameraden zu reden, spra- 
chen von den großen und gewaltigen Auf- 
gaben, die vor ihnen lagen, wenn sie nun 
die Schwelle ins Erwachsenenleben über- 
schreiten würden. Die erwachsenen Red- 
ner priesen die Tugenden und Fähigkeiten 
der heutigen Jugend und sprachen von den 
Horizonten, die es in zukünftigen Jahren 
zu erobern galt, von neuen Gebieten der 
Wissenschaft, die die Schüler der Absol- 
ventenklasse erschließen würden, von 
verheerenden Krankheiten, für die man 
Heilmittel finden würde, und von spekta- 
kulären Erfolgen auf dem Gebiet der Di- 
plomatie und der zwischenmenschlichen 
Beziehungen, die der Welt dauernden 
Frieden bringen würden. Es war eine an- 
regende und inspirierende Feier. 

Während ich den eindrucksvollen Re- 
den lauschte, mußte ich denken, was ich 
selbst gern zu dieser Gruppe junger Leute 
gesagt hätte. Ich wußte, daß die meisten 
Heilige der Letzten Tage waren und daß 
sie aus Familien kamen, wo man auf ihre 
Leistungen stolz war. Ich wußte auch, das 
einige dieser jungen Leute für die Stunden 
und Tage unmittelbar nach der Abgangs- 
feier geplant hatten. Ich verspürte den 
Wunsch, inständig zu diesen jungen Leu- 
ten zu reden — nicht über die glorreichen, 
wenn auch ungewissen Jahre einer fernen 
Zukunft, wo sie, wie man hoffte, so viel für 
die Menschheit leisten würden, sondern 
über das Hier und Jetzt. Ich wollte zu ih- 
nen sagen: „Ich sorge mich nicht so sehr 
darum, was ihr nächstes Jahr oder in der 
nächsten Generation tut; ich mache mir 
Sorgen über das, was ihr heute abend und 
morgen tun werdet, wenn ihr euer Zeugnis 



26 




in der Hand habt. Was habt ihr vor? Wo- 
hin werdet ihr gehen? Was macht ihr heute 
abend?" 

Heute, wo ich diese Gedanken nieder- 
schreibe, weiß ich, daß es in dieser Absol- 
ventenklasse und in anderen ähnlichen 
Gruppen einige gegeben hat, die sich mit 
voller Absicht und geplanter Berechnung 
nach ihrer Abgangsfeier in Situationen 
begeben haben, wo sie sich selbst, ihre 
Familie, ihre Kirche und den Vater im 
Himmel entehrten. Sie hatten nicht vor, 
ihr Verhalten zu einer bleibenden Ge- 
wohnheit im Leben werden zu lassen. Sie 
taten es zum Spaß, um der momentanen 



Aufregung willen oder um ihren Mut zu 
beweisen. Die gesamte Auswirkung ist je- 
doch verheerend. Das Nachspiel wird sich 
auf ihr Leben und auf das Leben derer 
auswirken, die sie geliebt und die ihnen 
vertraut haben — auf unglückliche und 
unvorhergesehene Weise, auf unbe- 
stimmte Zeit. Die Menschheit wird uner- 
bittlich auf eine niedrigere Stufe abgesun- 
ken sein. Einige werden nie ganz zurück- 
finden, und die ganze Menschheit wird 
den Verlust unvermeidlich zu spüren be- 
kommen. 

Ich bin voll der tiefsten Bewunderung 
und Dankbarkeit für diejenigen, die das 
Vertrauen, das man in sie gesetzt hat, nicht 
enttäuscht haben und die den Gepflogen- 
heiten der Zeit nicht nachgegeben haben. 
Ihr seid unsere strahlende Hoffnung. Ich 
stehe sehr in eurer Schuld. Ihr werdet auf 
den letztlichen Gang der Dinge einen we- 
sentlichen Einfluß haben. Ihr seid die 
letzte große Gegenmacht gegen das Böse, 
das die Erde überflutet. Ihr habt gezeigt, 
daß ihr unbestechlich seid. Ihr seid makel- 
los. Gott segne euch dafür! 

Ich erzittere, wenn ich die Worte des 
Herrn lese, die er zu seinem Volk in dieser 
Evangeliumsausschüttung gesprochen 
hat: ,,Denn dies ist ein Tag der Warnung 
und nicht ein Tag vieler Worte, denn ich, 
der Herr, werde meiner in den letzten Ta- 
gen nicht spotten lassen" (LuB 63:58). 

Wenn ich vorausblicke auf die Tage, die 
vor uns liegen, habe ich Hoffnung wegen 
der Verheißung des Herrn. Zugleich aber 
machen mir seine Warnungen Angst, 
wenn ich sehe, wie man Kompromisse ein- 
geht. 

Junge Leute, wir wollen der Pflicht, die 
der Herr uns übertragen hat, treu sein. Wir 
wollen den Preis bezahlen und die Erwar- 
tungen erfüllen, die man in uns setzt. Es ist 
nicht umsonst. 



27 




LeGrand Richards vom Rat der Zwölf 



SEIEN SIE 
EIN 

MISSIONAR 



Ein jeder von uns hat Einfluß auf das 
Leben seiner Freunde, und wenn wir nur 
wollen, können wir Missionare sein. Es 
sollte nie jemand geben, der in unserer 
Nähe lebt, nicht der Kirche angehört und 
den wir nicht eingeladen haben, sich der 
Kirche anzuschließen. 

Vor einigen Jahren war ich im Auftrag 
der Kirche in Omaha/Nebraska, um dem 
Gottesdienst beim ersten Spatenstich der 
Mormon Memorial Bridge — einer 
Brücke in Winter Quarters — beizuwoh- 
nen. Dort lernte ich einen Mann kennen, 
der Distriktspräsident in einer Mission 
war. Er hatte 17 Jahre in Salt Lake City 
gelebt und in einem Büro der Union Paci- 
fic Railroad gearbeitet, bis das Büro nach 
Omaha verlegt wurde. Er hatte sich in Salt 
Lake City nicht der Kirche angeschlossen. 
Nach seiner Übersiedlung nach Omaha 
hatte er die Missionare kennengelernt. Ich 
fragte ihn: „Warum sind Sie nicht in Salt 
Lake City zur Kirche gekommen?" Er gab 
zur Antwort: „Es hat mich nie jemand 
eingeladen." 

Ich fuhr einmal mit einem Pfahlpräsi- 



denten im Auto nach Farmington/New 
Mexico, und der Missionspräsident, der 
mit uns fuhr, hatte 12 Jahre in Og- 
den/Utah gelebt und dasselbe erlebt. Ich 
fragte ihn, weshalb er sich der Kirche nicht 
in Ogden angeschlossen hatte. Er sagte, 
niemand hätte ihn eingeladen. 

Vor einigen Jahren habe ich diese Be- 
gebenheiten in Wyoming erzählt. Der 




28 



Pfahlpräsident sagte, das erinnerte ihn an 
die Zeit, als er noch Bischof einer Ge- 
meinde gewesen war. Ein Mann, der in 
seiner Ortschaft wohnte, rief ihn an und 
fragte: „Bischof, meinen Sie, ich bin gut 
genug, um Mitglied Ihrer Kirche zu wer- 
den?" Der Bischof berichtete: „Da ging 
mir plötzlich auf, daß wir ihn noch nie ein- 
geladen hatten, sich der Kirche anzu- 
schließen. Ich traf also Vorkehrungen für 
seine Taufe am Freitag. Dann rief ich eine 
Frau in derselben Ortschaft an und sagte 
ihr, daß dieser Mann sich der Kirche an- 
schließen würde. Ich fragte sie, ob sie nicht 
auch zur Taufe kommen würde. Sie sagte: 
, Bischof, ich habe mich bereits gefragt, wie 
lange ich in Ihrer Gemeinde leben muß, 
bis Sie mich endlich einladen würden, in 
die Kirche zu kommen." 

Man muß kein alter Mann und auch 
nicht gerade 19 sein, um die Tür zu öffnen. 
Sie könnten einige Ihrer Freunde zu den 
Aktivitäten Ihrer Gemeinde oder zu Se- 
minaraktivitäten mitnehmen und sie dann 
den Missionaren überlassen — das heißt, 
einen Besuch der Missionare verabreden. 
Nichts, was Sie auf dieser Welt tun kön- 




nen, bringt Ihnen mehr Freude und macht 
sie glücklicher, als wenn Sie ein Werkzeug 
in der Hand des Herrn sind und jemand in 
seine Kirche bringen. 

Der Herr hat gesagt: „Und wenn ihr 
alle Tage eures Lebens diesem Volke 
Buße predigt und nur eine Seele zu mir 
bringt, wie groß wird eure Freude mit ihr 
im Reiche meines Vaters sein!" (LuB 
18:15). 

In den Südstaaten der USA hatte ich ein 
Erlebnis, das mir gezeigt hat, was der Herr 
meiner Ansicht nach meint. Ich erhielt ei- 
nen Brief von einem guten Bruder aus 
Phoenix/Arizona. Er war bereits ein älte- 
rer Mann. Er schrieb, sein Großvater sei 
1840 einer der ersten Missionare im Bun- 
desstaat Mississippi gewesen. „Seit jener 
Zeit", schrieb er, „haben mein Vater und 
seine Nachkommen für die Kirche mehr 
als 100 Jahre Missionsdienst geleistet." 
Zu jenem Zeitpunkt waren 15 Angehö- 
rige dieser Familie auf Mission, drei davon 
in unserer Mission. 

Ich erzählte dies auf einer Missionars- 
versammlung, als ich 1940 Präsidierender 
Bischof geworden war — gerade 100 
Jahre nachdem jener Großvater sich der 
Kirche angeschlossen hatte. Sein Enkel 
war zufällig anwesend, doch wußte ich 
nichts davon. Er kam nachher zu mir und 
sagte: „Bruder Richards, jetzt sind es 
schon 165 Jahre Missionsdienst." Ist man 
einmal so weit, daß man 10 bis 15 Jahre 
auf einen Schlag dazuzählen kann, so 
braucht man nicht lange, bis man weitere 
100 Jahre erreicht. 

Ich habe mir damals gedacht: Wenn der 
Missionar, der 1840 durch die Sümpfe von 
Mississippi gewatet ist, zu einer Zeit, wo 
sie ohne Beutel oder Tasche reisten und 
viele Malaria bekamen, nur diesen einzi- 
gen Mann zur Kirche gebracht hätte, dann 
dachte er vielleicht, er hätte nicht gerade 



29 



viel erreicht. Doch 1 00 Jahre später hatten 
dieser eine Mann und seine Nachkommen 
165 Jahre Missionsdienst geleistet — und 
da sind die Leute, die er und seine Nach- 
kommen bekehrt hatten, noch gar nicht 
mitgezählt. Gibt es irgendeine bessere 
Weise, „Schätze im Himmel" zu sammeln, 
„wo sie weder Motten noch Rost fressen 
und wo die Diebe nicht nachgraben noch 
stehlen" (Matthäus 6:20). 

Ob Sie nun gerade beim Militär, auf 
Mission oder einfach im Kreis Ihrer 
Freunde sind, bieten sich Ihnen Tag für 
Tag Gelegenheiten, etwas zu sagen oder 
zu tun oder den Weg zu ebnen — Gele- 
genheiten, Menschen einzuladen, daß sie 
von der wunderbaren Wahrheit erfahren. 
Ich sage immer: Es gibt auf dieser Welt 
keinen ehrlichen Menschen, der den 
Herrn liebt und sich nicht der Kirche an- 
schließen würde, wenn er wüßte, was es 
mit dieser Kirche auf sich hat. Für diese 
Kirche gilt, wie ich meine, was der Herr 
durch Jesaja gesagt hat: „. . . darum will 
ich auch hinfort mit diesem Volk wunder- 
lich umgehen, aufs wunderlichste und selt- 
samste, daß die Weisheit seiner Weisen 
vergehe und der Verstand seiner Klugen 
sich verbergen müsse" (Jesaja 29:14). 
Wenn wir die Aufmerksamkeit der Leute 
nur lange genug fesseln können, daß sie 
verstehen, was die Kirche wirklich ist, 
dann werden sie sich ihr anschließen. 

Ich möchte die Kirche mit einem Puz- 
zlespiel vergleichen. Man schüttet alle 
Teile auf den Tisch und nimmt dann die 
einzelnen Mosaiksteinchen aus dem Hau- 
ten. Wenn man jeden Teil angesehen hat, 
weiß man noch nicht, worum es sich han- 
delt. Vielleicht hat man den Hals einer Gi- 
raffe oder den Rüssel eines Elefanten oder 
ein Stück eines Hauses. Wenn aber die 
einzelnen Teile zusammengefügt sind, er- 
gibt sich ein schönes Bild. Man kann auch 



nicht ein einziges Stück herausnehmen, 
ohne das Bild zu zerstören. 

Wenn man ein Stückchen der Mormo- 
nenlehre hier und eines dort besieht, weiß 
man auch nicht, worum es sich eigentlich 
handelt. Aber wenn alles zusammenge- 
setzt ist, könnte niemand auch nur ein 
Teilchen davon wegnehmen. 

Vor einigen Jahren beauftragte mich 
Präsident David O. McKay, zu einer 
Gruppe von Geistlichen zu sprechen. 
Zwei Kirchen hielten in Salt Lake City ei- 
nen Kongreß ab. Es kamen Oberhäupter 
dieser Kirchen aus Kalifornien, Oregon, 
Washington, Idaho, Utah und Nevada. 
Auf ihre Bitte hin redete ich zweieinhalb 
Stunden zu ihnen, um zu erläutern, was 






30 



Nichts, was Sie auf dieser Welt tun können, 
wird Ihnen größere Freude bringen, als 
wenn Sie der Schlüssel sind, mit dem der 
Herr Ihren Nächsten die Tür öffnet, damit 
sie das Evangelium empfangen können. 




Mormonismus wirklich ist. Bevor ich 
meine Rede beendete, sagte ich: „Als ich 
Präsidierender Bischof der Kirche war, 
waren wir für das Bauprogramm der Kir- 
che verantwortlich. Wir ließen die Pläne 
für den Bau des Tempels in Los Angeles 
anfertigen. Einmal zeigten wir diese Pläne 
der Ersten Präsidentschaft. Die Pläne für 
die Elektro- und Wasserinstallationen wa- 
ren noch nicht fertig, und doch hatten wir 
bereits 84 Seiten, jede etwa 120 x 80 cm 
groß, buchstäblich mit Tausenden und 
aber Tausenden von Zahlen, Zeichnungen 
und Entwürfen. Geistig war der Tempel 
schon erbaut, obwohl an der Baustelle erst 
ein großes Loch in der Erde war. Der Er- 
bauer mußte nur die Pläne entziffern und 
ausführen können. Dabei konnte er nicht 
einige Seiten auslassen, wenn er ein voll- 
ständiges Gebäude errichten wollte. 

„Sie können diese Pläne nehmen und 
bis ans Ende der Welt gehen, um zu sehen, 
ob sie zu irgendeinem Gebäude passen. Es 
gibt nur ein einziges Gebäude, zu dem sie 
passen, und das ist der Mormonentempel 
in Los Angeles. Natürlich wird man Ge- 
bäude finden, die mit denselben Materia- 
lien gebaut sind wie dieser Tempel — mit 
Elektroleitungen, Wasserrohren, Beton 
und Holz. Doch wird man kein Gebäude 
finden, zu dem die Pläne passen." 



Dann hielt ich die Bibel hoch und sagte: 
„Hier ist der Plan des Herrn. Jesaja sagt, 
daß der Herr das Ende schon vom Anfang 
an verkündet hat (Jesaja 46:10). Hier ist 
alles enthalten, wenn man es nur entzif- 
fern kann." 

Ich sagte: „Sie können die Bibel, den 
Plan des Herrn, nehmen und ihn mit jeder 
Kirche auf der ganzen Welt vergleichen. 
Es gibt nur eine Kirche, zu der er paßt, und 
das ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen 
der Letzten Tage. Natürlich wird man ei- 
nige Kirchen finden, die das eine oder an- 
dere enthalten, was auch hier in diesem 
Plan des Herrn zu finden ist, doch wird 
man auf der ganzen Welt keine andere 
Kirche finden, die zu diesem Plan paßt." 

Dann ging ich daran, meine Worte zu il- 
lustrieren. Ich verwendete viele Schrift- 
stellen. Ich werde hier nur ein Beispiel 
nennen, das ich zitiert habe: Johannes 
10:16, wo der Herr sagt: „Und ich habe 
noch andere Schafe, die sind nicht aus die- 
sem Stalle; und auch diese muß ich herfüh- 
ren, und sie werden meine Stimme hören, 
und wird eine Herde und ein Hirte wer- 
den." 

Ich sagte zu den Geistlichen: „Weiß ir- 
gend jemand von Ihnen, warum dies in der 
Bibel steht? Weiß irgend jemand von Ih- 
nen irgendeine Kirche auf der ganzen 



31 







Welt, die weiß, warum das in der Bibel 
steht?" Dann stellte ich einen Zusam- 
menhang her mit dem, was ich ihnen über 
die Verheißung Josephs von einem neuen 
Land in den ewigen Bergen, in den ewigen 
Hügeln erzählt hatte (s. 1. Mose 49:26). 

Bei der Schilderung dieses Landes ver- 
wendet Mose das Wort „köstlich" fünfmal 
(5. Mose 33: 13-17). Ich fragte: „Weiß ir- 
gend jemand von Ihnen, wo dieses Land 
liegt?" Dann sagte ich ihnen, was ich be- 
reits zuvor gesagt hatte, nämlich, daß von 
Amerika die Rede war. Ich redete von den 
beiden Büchern, die geführt werden soll- 
ten (Hesekiel 37:15-20). „Weiß jemand 
von Ihnen irgend etwas über die Auf- 
zeichnungen Josephs? Weiß irgend je- 
mand von Ihnen, weshalb sie in der Bibel 
erwähnt werden?" Dann sagte ich ihnen, 
daß der Erretter, als er die Nephiten in 
Amerika besuchte, ihnen verkündete, daß 
sie die andern Schafe waren, von denen er 
gesprochen hatte. Er sagte, daß der Herr 
ihm nie geboten hätte, seinen Jüngern 
zu sagen, wer die andern Schafe waren 
— nur daß er andere Schafe hatte, die 
nicht aus jener Herde waren (s. 3. Nephi 
15:11-24). 

Wir haben die ganze Wahrheit und 
müssen uns nur klar darüber werden. 
Darum sprechen die Propheten von einem 
„wunderbaren und seltsamen Werk". Ich 
glaube nicht, daß Ihnen irgend etwas, was 
Sie auf dieser Welt tun können, mehr 
Freude bringt, als wenn sie Menschen zur 
Erkenntnis der Wahrheit führen. Wir er- 
leben dies bei unserer Missionsarbeit 
fortwährend. 

In Idaho wurde eine Frau bekehrt. Sie 
kommt mich oft besuchen. Fast nach jeder 
Konferenz ruft sie mich an. Sie ist Kran- 
kenschwester und gab mir einen Scheck 
über 500 Dollar für das Kinderspital, weil 
beim Tod ihres Mannes ein Mitglied unse- 



32 



rer Kirche zu ihr gekommen war, um ihr zu 
sagen, was sie von der Zukunft erwarten 
könnte, wenn sie nur die Wahrheit wüßte. 
Vor kurzem hat sie mir geschrieben, sie 
hätte in dieser Kirche mehr Liebe gefun- 
den, als sie jemals in ihrem Leben erfahren 
hätte — die Liebe ihrer eigenen Mutter 
eingeschlossen. 

Ich bekam einen Brief von einer Frau 
aus Alabama. Sie hatte ihren Mann verlo- 
ren. Sie ist eine würdevolle, gute Frau. Die 
Missionare haben ihr die Wahrheit ge- 
bracht. Nun schreibt sie, daß sie ihr Leben 
lang nie eine solche Freude gekannt habe 
wie seit dem Zeitpunkt, wo die Missionare 
ihr das Evangelium gebracht haben. Sie 
leistete in der Kirche eine hervorragende 



Was müßte ich für ein Mensch 

sein, daß ich diese Menschen 

für eine Million Dollar aus 

der Kirche verkaufte? 



Arbeit. Solche Berichte erhalten wir fort- 
während. 

Sie kennen sicher die Geschichte, die 
Präsident Grant oftmals über den Bruder 
aus Skandinavien erzählt hat, der nach 
Amerika herüberkam. Man hatte ihn nicht 
allzuviel über die Kirche gelehrt, also be- 
suchte ihn der Bischof, um ihm das Gesetz 
des Zehnten zu erklären. Schließlich wil- 
ligte er ein, seinen Zehnten zu bezahlen. 
Dann wollte der Bischof von ihm das 
Fastopfer. Er stimmte auch dem zu. Dann 
sollte ein Gemeindehaus gebaut werden. 
Der Mann meinte, das müsse vom Zehn- 
ten bezahlt werden, doch als der Bischof 
mit ihm geredet hatte, bezahlte er auch 
seine Spende für das Gemeindehaus. 



Dann ging der Bischof zu ihm und wollte, 
daß sein Sohn auf Mission ginge. Darauf 
sagte er: „Das ist der Tropfen, der das Faß 
zum Überlaufen bringt." Worauf der Bi- 
schof erwiderte: „Bruder Soundso, wen 
lieben Sie auf dieser Welt am meisten, ab- 
gesehen von Ihrer eigenen Familie?" Er 
überlegte eine Minute lang und sagte 
dann: „Ich glaube, den Mormonenmissio- 
nar, der in das Land der Mitternachts- 
sonne kam und mir das Evangelium Jesu 
Christi verkündet hat." Dann sagte der Bi- 
schof: „Bruder Soundso, hätten Sie gern, 
daß jemand Ihren Sohn genauso liebt, wie 
Sie diesen Missionar lieben?" Der Mann 
sagte: „Sie haben wieder gewonnen. 
Nehmen Sie den Jungen." 

Man kommt einfach nicht darum her- 
um. 

Als ich vor Jahren auf meine erste Mis- 
sion ging, sagte uns Präsident Anthon H. 
Lund, daß die Leute uns lieben würden. Er 
sagte: „Werdet nicht stolz in eurem Her- 
zen und denkt nicht, sie liebten euch, weil 
ihr besser wärt als andere Leute. Sie lieben 
euch wegen der Sache, die ihr ihnen 
bringt." Ich wußte damals nicht, was er 
meinte, doch bevor ich das kleine Land 
Holland verließ, war es mir klar. Als ich 
dort wegfuhr, vergoß ich tausendmal mehr 
Tränen als beim Abschied von den Mei- 
nen bei der Abreise nach Holland. 

Ich besuchte mit meinem Mitarbeiter 
eine Familie, wo wir die ersten Missionare 
gewesen waren. Eine kleine Frau, der die 
Tränen bis über die Schürze rannen, 
blickte mir in die Augen und sagte: „Bru- 
der Richards, es war schwer für mich, als 
meine Tochter vor einigen Wochen nach 
Zion abreiste, aber noch schwerer fällt mir 
der Abschied von Ihnen." 

Dann wußte ich, was Bruder Lund ge- 
meint hatte: „Sie lieben euch wegen der 
Sache, die ihr ihnen bringt." 



33 



Ich verabschiedete mich von einem 
Mann, der die Uniform seines Landes 
trug. Er war groß von Gestalt und trug ei- 
nen Bart. Er kniete sich nieder, nahm 
meine Hand in die seine und drückte und 
küßte sie. Ich glaube, da begriff ich, was 
Bruder Lund gemeint hatte, als er sagte, 
sie würden uns lieben. 

Wenn wir nur weit genug zurückgrei- 
fen, ist ein jeder von uns einem Missionar 
zum Dank verpflichtet, daß er in der Kir- 
che ist. Warum sollten wir nicht die Auf- 
gabe auf uns nehmen, es weiterzugeben? 
Ich möchte Ihnen sagen: Wenn Sie von der 
Göttlichkeit dieses Werkes Zeugnis ge- 
ben, dann bleibt dies nicht ohne Wirkung. 

Erinnern Sie sich an Petrus, wie er nach 
dem Pfingsttag vor dem Volk gestanden 
hat, und die Leute das Evangelium in ihrer 
eigenen Sprache vernommen haben? Sie 
waren im Herzen bewegt, nicht nur wegen 
der Lehre, sondern wegen des Zeugnisses, 
das Petrus gab, daß Jesus Christus der 
Sohn des lebenden Gottes war. 

Wenn die Missionare hinaus ins Mis- 
sionsfeld gehen, sage ich ihnen, daß sie 
niemals ihre Stimme erheben werden, um 
zu bezeugen, daß Jesus der Erlöser der 
Welt ist, Joseph Smith sein Prophet war 
und das Buch Mormon wahr ist, ohne daß 
der Herr ihnen das Herz in der Brust ent- 
brennen läßt; und wenn sie, begleitet vom 
Geist des Herrn, Zeugnis geben, so daß 
ihre Worte nicht leer klingen wie ein tö- 
nendes Erz, dann wird ihr Wort in das 
Herz der Ehrlichen dringen, und sie kön- 
nen alle Werkzeuge sein, um Menschen 
zur Kirche zu bringen. 

Vor einiger Zeit war ich in New York. 
Ich sagte den dortigen Heiligen, mit denen 
ich mich versammelt hatte, daß der Präsi- 
dent der Kirche sie alle gebeten habe, Mis- 
sionare zu sein. Ich sagte: „Denken Sie 
mal einen Augenblick nach, ob Sie nicht 




jemand kennen, der nicht der Kirche an- 
gehört — ein Arbeitskollege, ein Nach- 
bar, ein Freund oder Verwandter — je- 
mand, den Sie zur Erkenntnis der Wahr- 
heit führen können. Der Betreffende wird 
Sie in alle Ewigkeit deswegen lieben. Es 
wäre ihm mehr wert, als gäben Sie ihm 
eine Million Dollar." 

Bald darauf erhielt ich einen Brief von 
einem jungen Mann aus Houston/Texas. 
Er war in New York bei einem Kongreß 
für Fachleute seines Berufs gewesen und 
hatte unsere Versammlung besucht. In 
dem Brief hieß es: „Bruder Richards, ich 
habe gehört, wie Sie einen jeden von uns 
aufgefordert haben, ein Werkzeug in der 
Hand des Herrn zu sein und jemand zur 
Erkenntnis der Wahrheit zu führen. Ich 
schrieb daraufhin meiner Frau einen Brief 
und sagte ihr, ich würde ihr einen Vor- 
schlag unterbreiten, wenn ich heimkäme." 
Zu Hause angekommen, hatte er ihr er- 
zählt, was ich gesagt hatte. Er schrieb: „In 
meinem Büro arbeitet ein junger Mann. 
Er weiß, daß ich Mormone bin, aber ich 
habe ihm noch nie gesagt, warum. Ich 
würde ihn gern mit seiner Frau einmal zum 
Abendessen einladen. Und nach dem Es- 



34 



sen hätten wir bereits ein Gesprächsthe- 
ma." 

Um die Geschichte abzukürzen, sage 
ich Ihnen nur, daß er mir zwei Seiten lang 
schrieb, was für Freude es ihm gemacht 
hatte, diesen Mann und seine Frau zur 
Taufe zu führen. Ich habe die Leute inzwi- 
schen in Houston kennengelernt. Ich 
glaube, er ist zur Zeit Pfahl-Sonntags- 
schulleiter. 

Im Nordwesten der USA habe ich einen 
jungen Missionar sagen hören, daß er 
seine Missionserfahrung nicht gegen eine 
Million Dollar eintauschen würde. Ich saß 
hinter ihm und fragte mich: „Würdest du 
deine erste Mission in Holland gegen eine 
Million Dollar eintauschen?" Ich fing an, 
die Leute zu zählen, die ich hatte in die 
Kirche bringen dürfen. Ich habe lange ge- 
nug gelebt, um ihre Jungen und Mädchen, 
ihre Enkel und sogar ihre Urenkel auf 
Mission gehen zu sehen. Was müßte ich 
für ein Mensch sein, um diese Leute für 
eine Million Dollar aus der Kirche zu ver- 
kaufen? Allein der Sohn eines bestimmten 
Mannes hat genug für diese Kirche getan, 
um mich für alles zu entlohnen, was ich ge- 
tan habe. 

Bruder Matthew Cowley war einer der 
größten Missionare der Kirche. In einer 
Rede anläßlich eines Gottesdienstes an 
der Brigham-Young-Universität am 
12. März 1946 sagte er folgendes. Ich 
möchte Ihnen diesen Ausspruch zitieren, 
weil darin so treffend zum Ausdruck 
kommt, was ich für das Missionspro- 
gramm der Kirche empfinde. Er sagte: 

„Wie Sie gehört haben, bin ich zweimal 
in Neuseeland auf Mission gewesen. Ich 
habe auch an zwei Universitäten studiert, 
und ich sage Ihnen gleich von Anfang an: 
Wenn ich mein Leben noch einmal begin- 
nen und zwischen den beiden Missionen in 
Neuseeland und meiner Ausbildung an 



den beiden Universitäten wählen müßte, 
so würde ich mich in jeder Hinsicht für die 
Missionen entscheiden — vom Stand- 
punkt der Ausbildung, vom Standpunkt 
der geistigen Entwicklung, der charakter- 
lichen Entwicklung und eines jeden ande- 
ren Bereiches der persönlichen Entwick- 
lung, der in Frage kommt. Ich würde das 
eine nicht gegen das andere eintauschen 
— um nichts in der Welt. Ich stehe daher 
gern vor Ihnen — nicht als Anwalt, nicht 
als Akademiker, sondern als Missionar" 
(Matthew Cowley, Man of Faith, S. 203). 
Dieser Ansicht bin auch ich. Für mich 
ist das Missionsprogramm der Kirche das 
Größte auf der Welt. Es ist ein Programm, 
an dem wir uns alle beteiligen können, wer 
immer wir auch sind — nicht nur durch die 
Worte, die wir reden, sondern auch durch 
ein edles Leben. Wir können unser Licht 
leuchten lassen, damit die Welt unseren 
Vater im Himmel preist, wenn er unsere 
guten Werke sieht (s. Matthäus 5:16). 







35 








DER ZEHNTE - 
ER FUNKTIONIERT 




Keith Moore 



Vor einigen Jahren war ich der Über- 
zeugung, ich könne es unterlassen, den 
Zehnten zu bezahlen, und trotzdem mein 
Auskommen finden. Ich fragte mich, ob 
ich nicht ohnehin so arm wäre, daß Gott in 
meinem Fall eine Ausnahme machte. In- 
dem ich so dachte, wurde ich nur noch är- 
mer. 

Ich glaubte an das Evangelium und 
wirkte in der Gemeinde mit, aber so lange 
ich den Zehnten nicht bezahlte, hatte ich 
das Gefühl, es stimme etwas nicht. 
Schließlich brachte ich dem Bischof per- 
sönlich fünf Dollar nach Hause, damit ich 
mir die Postgebühr ersparte. Es war nicht 
einmal ein Prozent, doch war damit ein 
Anfang gemacht. Im folgenden Monat gab 
ich zehn Dollar. Einige Monate lang be- 



zahlte ich einen „fünfprozentigen Zehn- 
ten" — ein Widerspruch in sich selbst. 

Dann analysierte ich meine finanzielle 
Lage. Während ich diese geringe Summe 
bezahlte, schaffte ich es schon, daß mein 
Bankkonto am Ende des Monats in den 
schwarzen Zahlen blieb, während ich zu- 
vor jeden Monat das Konto überzogen 
und Zinsen bezahlt hatte. 

Als ich meinen Zehnten auf zehn Pro- 
zent brachte und einige Monate auf dieser 
Höhe durchgehalten hatte, stellte ich fest, 
daß am Ende des Monats eine erstaunliche 
Summe auf meinem Konto war — ob- 
gleich ich bei meiner Arbeit keinen Pfen- 
nig mehr verdient hatte. Auch meine Aus- 
gaben hatten sich nicht geändert. Sie wa- 
ren eher noch gestiegen — zusammen mit 



36 



der Möglichkeit, daß ich mir hin und wie- 
der einen kleinen Luxus leisten konnte. 
Trotz alledem blieb eine ansehnliche 
Summe auf dem Konto; das hatte ich in 
früheren Jahren nie erlebt. 

Ich hatte Leute vom Rednerpult aus er- 
zählen gehört, daß sie ihren Zehnten be- 
zahlt hatten und am nächsten Tag ein 
Wirtschaftswunder geschehen war. Ich 
will mich darüber nicht lustig machen, 
doch geschah es dreimal, daß ich den 
Zehnten bezahlte und am folgenden Tag 
mit der Post eine erschreckende Rech- 
nung erhielt — eine Schuld, die ich entwe- 
der vergessen oder von der ich nie gewußt 
hatte. Im ersten Augenblick war ich ent- 
mutigt und sogar versucht, die Schuld auf 
den Zehnten zu schieben. Ich habe sogar 
so viele Rechnungen erhalten, daß es mir 
leid tat, den Zehnten bezahlt zu haben, 
und daß ich ihn am liebsten zurückgehabt 
hätte. Doch stellte sich heraus, daß immer 
noch Geld übrig war, wenn ich die uner- 



warteten Rechnungen beglichen hatte. 
Immer noch hatte ich Geld, und es war so- 
gar für einen gelegentlichen kleinen Luxus 
etwas übrig. Offensichtlich war das gei- 
stige Gesetz des Zehnten am Werk. 

Ich habe einen Rat, den ich gern und 
freimütig einem jeden gebe, der sich mit- 
tellos vorkommt und unter finanziellen 
Ängsten leidet: Geben Sie Ihrem Bischof 
„ein wenig Zehnten"! Geben Sie einen 
Monat später etwas mehr. Bezahlen Sie 
einen vollen Zehnten! Ich bin überzeugt, 
daß Ihre Schwierigkeiten sich von selbst 
lösen. So geschieht es wirklich. Vielleicht 
verursacht Ihnen irgend etwas einen 
Rückschlag oder läßt Sie zweifeln, geben 
Sie aber nicht nach. Lassen Sie sich nicht 
entmutigen. In einigen Monaten sind Sie 
wahrscheinlich aus dem Schlimmsten her- 
außen. Bald werden Sie ordnungsgemäß 
den Zehnten bezahlen und Seelenfrieden 
genießen. 












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